Bockenheim schreibt ein Buch

BockenheimDieses Buch ist vor wenigen Tagen im Frankfurter Verlag Mainbook erschienen. Von mir ist ein launiger Text enthalten. Ich habe nie in Bockenheim gewohnt, aber eine Zeitlang dort gearbeitet. Es war eine Scheißzeit mit Arschlöchern. Aus juristischen Gründen verkneife ich mir die Nennung von Klarnamen. So mußte halt der Stadtteil dran glauben. Und ja, ich weiß, daß in Bockenheim auch nette Menschen wohnen, sehr nette.

Hier nun eine frühe Fassung meines Textes, die in dieser Form nicht im Buch enthalten ist.

Ödland

Man braucht gute Gründe um nach Bockenheim zu fahren, einen Job beispielsweise oder Freunde, einfach so tut man das nicht. Es gibt keinen Grund. Das Beste an Bockenheim ist die Lage zwischen Niddapark und Messe. Messe und Nidda sind wirklich sehr schnell erreichbar.

Bockenheimer Landstraße

Wer, aus Bornheim kommend, mit dem Rad nach Bockenheim fährt, muß einige schwere Prüfungen bestehen. Durch das Nord- und Westend läßt es sich noch ganz entspannt radeln, aber plötzlich steht der Palmengarten quer und zwingt einen auf die Bockenheimer Landstraße und in das Grauen. Das Grauen ist zirka einen Meter breit, etwa zehn Zentimeter über Straßenniveau, rechtsseitig von Blumenkübeln und Pollern begrenzt, linksseitig von steinernen Riegeln, und nennt sich Radweg. Selbstverständlich ist es unmöglich dort zu überholen und so findet sich der zielstrebige Radler oft hinter Senioren im Schrittempo, kurz vor dem Umfallen. Es bleibt nur die Straße oder der Gehweg, was gelegentlich zu wüsten Beschimpfungen führt. „Sorry“, möchte man dann rufen, „ich habe diesen scheiß Radweg nicht gebaut.“. Hat man endlich die Unibibliothek erreicht, ohne in Höhe der KfW von zum Essenfassen kreuzenden Bankern über den Haufen gerannt worden zu sein, geht die Unbill weiter. Der gewundene, für Fußgänger unsichtbare, Weg leitet einen in Richtung einer Kreuzung, die von der Bockenheimer Warte bewacht wird. Visavis lädt das ehrenwerte Wirtshaus Doktor Flotte zur Rast. Hier wird es nun völlig absurd. Einen zirka zwei bis drei Meter breiten Gehweg müssen sich Fußgänger und Radfahrer teilen. Der Radweg ist selbstverständlich nicht farblich abgehoben und so sieht ihn auch niemand, was zu einem fröhlichen Durcheinander führt. Wem sein Leben wert ist, der meidet all diese Zumutungen und fährt auf der Straße. Da gehören Radfahrer ja auch hin. Das gilt selbstverständlich auch für den Rückweg, wenn man nach erledigtem Tagwerk erleichtert die Bockenheimer Enge wieder verlassen kann.

Leipziger Straße

Aber noch sind wir nicht angekommen. Gleich nach Doktor Flotte wird man in die Leipziger Straße geführt und wundert sich umgehend, daß dort Autos fahren dürfen. In der Leipziger ist definitiv kein Platz für Autos, Radfahrer und Fußgänger. Der Gehweg nicht breiter als der Radweg an der Bockenheimer. An entspanntes Flanieren ist hier überhaupt nicht zu denken. Die Leipziger ist die Haupteinkaufsstraße Bockenheims, die Hauptstraße sozusagen, sowas wie die Berger Straße in Bornheim, mit dieser aber überhaupt nicht vergleichbar. Erst vor wenigen Jahren wurde über das Kopfsteinpflaster eine Lage Asphalt gegossen. Man hätte gleich eine Fußgängerzone draus machen sollen. Wäre auch billiger gewesen.
Das bereits erwähnte Lokal Doktor Flotte nennt sich selbst Alt-Berliner-Wirtshaus. Hier wird sich also gleich am Entree zu Bockenheim distanziert, als wolle man mit all dem nichts zu tun haben. Und dennoch wird hier gejubelt, wenn die Eintracht Hertha schlägt und nicht andersrum. Etikettenschwindel allüberall.
Auch sonst hat Bockenheim nicht viel zu bieten. Interessant wird es dann, wenn was wegkommt, wie der Uniturm, dessen Sprengung man sogar live im Fernsehen verfolgen konnte. So mußte man schon nicht hinfahren, was ja eine echte Erleichterung ist.

Gastronomie

Auch gastronomisch ist Bockenheim eher Ödland. Weit und breit keine gescheite Apfelweinkneipe. Binding allüberall. Wer sich durch die Leipziger quält, vorbei am anarchistischen Exzess, bis ganz nach hinten, da wo die Leipziger schon gar nicht mehr so heißt sondern irgendwie anders, findet linkerhand das schlichte und sympatische Wirtshaus Heckmeck. Dort läßt es sich recht gut einkehren. Oder auch im Casa Nostra, wenn man den Kellerverschlag endlich mal gefunden hat. Das war`s aber auch schon mehr oder weniger.
Vielleicht deshalb wurden im Flotte Pläne geschmiedet, Perspektiven entwickelt, Pakte geschlossen, Produkte entwickelt. Und die Pleite geplant. Die folgte wenige Jahre später mit einem Arschtritt an sakralerem Ort. Nein, Bockenheim hat mir kein Glück gebracht. Gelegentlich gab es auch entspannte Momente, etwa wenn die schöne Freundin, die genauso heißt wir die Straße in der sie wohnt, zu Pasta und Rotwein lud. Entspannt saßen wir in lauen Sommernächten auf dem Balkon, tranken Rotwein, beobachteten Vögel, Eichhörnchen und Flugzeuge und erzählten, was uns in den letzten drei Monaten wiederfahren war – ihr in der weiten Welt, mir in Bornheim. Auch Vergangenheit das alles.

Tschüß Bockenheim

Ich vermisse dich nicht, Bockenheim, und wenigstens muß ich jetzt nicht mehr diesen scheiß Radweg benutzen, es sei denn, ich bin im Heckmeck oder im Casa Nostra verabredet. Das kommt glücklicherweise nicht allzu oft vor.
Einzig die Titanic bildet den Silberstreif über dem Taunus. Das Magazin hat seine Heimstatt in Bockenheim gefunden. Anders als mit Satire ist dir, ach Bockenheim, auch nicht beizukommen. Aber auch die Stammkneipe der Titanic ist nicht in Bockenheim, sondern in Bornheim. Aus Gründen.

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01. November 2014 – Ein Rückblick mit Musik, einer Buchpräsentation, einer Buchmesse und jeder Menge Namedropping

Der Oktober 2014 war ein besonderer Monat

Es fing schon Ende September an mit dem Konzert der Schwestern aus Schweden, die als First Aid Kit derzeit Erfolge feiern. Zurecht, wie ich nach dem Konzert sagen kann. Die eigentliche Sensation aber war der Support, ein junger Mann aus Manchester, Jo Rose, der allein mit seiner akustischen Gitarre auf der Bühne stand und schon nach wenigen Takten das Publikum im gut gefüllten Zoom zum Schweigen und gebanntem Lauschen brachte. Was für eine Stimme, was für wunderbare Songs! Er hat die Musik nicht neu erfunden, braucht sich aber nicht hinter namhaften Kollegen wie M. Ward, Joe Henry, Rufus Wainwright oder auch Neil Young zu verstecken.

Jo Rose Debüt Album

Jo Rose Debüt Album

Nach Konzertende habe ich mir die Debüt-CD gekauft (Vinyl gab`s leider nicht) und vom Künstler signieren lassen. Zuhause dann gehört und erneut völlig überrascht. Anders als auf der Bühne des Zoom, wird Jo Rose hier von einer Band begleitet. Wir hören neben den üblichen Begleitinstrumenten, Bläser, Streicher und eine Steelguitar, großartig arrangiert das Ganze. Nach einer halben Stunde endet die CD und man braucht eine Weile, um von diesem Rausch wieder auf dem Fußboden zu landen. Sensationell – und wenn es eine Gerechtigkeit gibt in der Musikwelt, dann wird dieser Mann eine große Karriere machen und die signierte Debüt-CD in einigen Jahren ein kleines Vermögen wert sein.

Buchpräsentation

Es folgte am 2. Oktober die Vorstellung der Frankfurter Wegsehenswürdigkeiten. Zwanzig Jahre habe ich auf diesen Moment gehofft, nun war er da und ich entsprechend aufgeregt. Aber es ging alles gut. Die Romanfabrik war sehr gut gefüllt und niemand ist früher gegangen, obwohl sich der Abend in die Länge zog. Etwas über anderthalb Stunden wurde gelesen, nur unterbrochen von einem kleinen und feinen musikalischen Intermezzo durch Elis. Die Reaktionen waren sehr positiv und der Buchhändler hat gut verkauft. Mein alter Freund Joe Bauer aus Stuttgart, der das Vorwort geschrieben hat, kam mit Freundin Barbara angereist und sie blieben über das Wochenende. Wir sind stundenlang durch Frankfurt gelatscht, auf den Spuren der Wegsehenswürdigkeiten.

Buchmesse

Aufräumarbeiten beim Messeaufbau

Aufräumarbeiten beim Messeaufbau

Dann natürlich die Buchmesse. Es fing, wie in den letzten Jahren auch, am Dienstag an mit dem Aufbau am Suhrkampstand. Aufbautage sind besondere Tage, der Messebetrieb hat noch nicht angefangen und es ist schön, alte Kolleginnen und Kollegen zu treffen. Überall ist eine gewisse Euphorie zu spüren. Die Messe ist das Familientreffen der Buchmenschen. Dieser Tag endet traditionell mit Altbier und Brezeln beim Buchmarkt. Dort trifft man dann Menschen aus anderen Verlagen und erfährt die ersten Neuigkeiten. Nicht mehr ganz nüchtern endet der Dienstag und alle freuen sich auf das, was in den nächsten Tagen kommen wird.
Allzuviel will ich über die Messe gar nicht schreiben, das haben mein Messegast Stefan Möller und Wiebke Ladwig bereits trefflich erledigt. Am wichtigsten sind ohnehin immer die Menschen, die man trifft. So konnte ich endlich Stephanie Bart persönlich kennenlernen, mit der ich schon seit einiger Zeit recht intensiv über Twitter verbunden bin. Sie hat mit Deutscher Meister einen beeindruckenden Roman geschrieben, der bei HoCa Spitzentitel ist. Am Donnerstagabend las sie bei Open Books, ich war dabei. Dort lernte ich dann endlich auch mal Philipp Werner kennen, Stephanies Lektor bei HoCa und Moderator der Lesung. Ich hatte mit ihm zu tun, als er meine Anthologie Mit des Blitzes Schnelle im Fischer Taschenbuchverlag betreute. Dieser Kontakt lief allerdings ausschließlich über Mail, getroffen hatten wir uns nie. Dafür gibt es die Messe.
Normalerweise wären wir jetzt nach Sachsenhausen gefahren zum Fest des Fischer Verlages. Aber das fiel wegen irgendwelcher Auflagen der Versicherung in diesem Jahr aus. Dankenswerterweise hat die Titanic ihren Abend von Freitag auf Donnerstag vorgezogen – und ich hatte, Leo Fischer sei Dank, erstmals eine Einladung. Vielleicht das schönste Fest der Messe – in einem Bootshaus am Main mit Skylineblick -, was ich leicht sagen kann, da es auch mein einziges war. Und hätte ich geahnt, was für ein köstliches Büffet die Chefsatiriker auffahren ließen, ich hätte auf die überteuerte Tüte Pommes in der Innenstadt verzichtet. Es war ne Menge Prominenz da, inklusive eines echten Europaabgeordneten.

Ich werde eher nie von Frauen angesprochen, doch bei der Titanic-Party passierte genau das. „Du bist doch der, der mir vor zwei Jahren geholfen hat, die Kisten ins Auto zu schleppen.“ Jetzt dämmerte es auch mir. Vor mir stand die wunderbare Undine Löhfelm von Orange Press in Freiburg. In der Tat, es hatte sich damals so ergeben und ich half ihr, die Kisten mit dem Standinventar des Verlags am Ende der Messe zum Auto zu schleppen. Es war eine elende Plackerei. Wir plauderten kurz und dann war sie wieder verschwunden.

Jürgen Roth und ich waren am Freitagabend im Rahmen von Open Books in der Heussenstamm Galerie zu Gast. Unterstützt wurden wir von Dirk Braunstein und Philipp Mosetter, die auch schon bei der Präsentation in der Romanfabrik dabei waren. Die Galerie war sehr gut besucht und ich mal wieder etwas nervös, sollte ich doch erstmals meinen Text vortragen. Zum Glück war die Zeit knapp bemessen, mein Vortrag war nicht mehr nötig und ich habe ein bißchen moderiert. Die beteiligten Herren haben auch alles bestens besorgt. Imposant wie Jürgen Roth den Text von Eckhard Henscheid las. Nach einer knappen Stunde war es zur Zufriedenheit aller erledigt und wir konnten eine nahegelegene Bindingkaschemme aufsuchen.
Der Samstag begann früh. Gegen elf Uhr setzte ich mich aufs Rad und fuhr gen Gallus. In einer dortigen Galerie war eine „Frühschoppenlesung“ annonciert, mit dem Kollegen Jürgen Roth und Thomas Kapielski. Ich kam zu spät, konnte dafür aber meinen Eintrittsobulus frei wählen. Einen Zehner war mir die Sache dann noch wert, war doch unbeschränkt Bier und Kaffee und Rindswurst darin enthalten. Ich nahm alles und amüsierte mich köstlich – wie alle Anwesenden in dem gut gefüllten Hinterhofraum. In Leipzig finden diese Lesungen regelmäßig satt, für Frankfurt war es eine Premiere. Es ist zu wünschen, daß es nicht dabei bleibt. Nachmittags dann auf der Messe ein Treffen mit der sehr geschätzten Twitterfreundin @mokka98. Es war sehr kurzweilig und leider auch zu kurz. Man kann sich trefflich mit ihr unterhalten, Bier trinken (schon wieder) und Fahrrad fahren. Letzeres weiß ich noch nicht, hoffe aber, daß es im nächsten Jahr mal dazu kommen wird. Schön, wenn sich die virtuelle Welt im richtigen Leben wiederfindet.

Arbeiten und Restetrinken – der letzte Tag

Am Sonntag stand ich wieder in Diensten des Suhrkamp Verlages. Es wird verkauft und alles ist recht betriebsam. Große Freude kam auf, als Markus Hablizel vorbeischaute. Er hatte etwas Zeit und wir konnten uns unterhalten. Vor einigen Jahren hatte er mit seinem Verlag noch einen eigenen Stand in Frankfurt. Jetzt steckt er das Geld lieber in andere Sachen, wie z. B. ein fünftägiges Fest in Köln zum fünfjährigen Bestehen seines Verlages. Herzlichen Glückwunsch nochmals an dieser Stelle. Solche Verlage sind das Salz in der Suppe der Literatur.
Dann war schon wieder Schluss, fast. Es folgte noch das Restetrinken beim Folio Verlag. Auch hier war ich erstmals dabei. Irgendwer hatte mich überredet (es war nicht schwer). Vielleicht war doch diese „After Work Party“ und nicht das Titanic-Fest die schönste Party der Messe. Der eifrige Jörg Sundermeier war da, Kristine Listau selbstverständlich auch. Sie hatten noch etwas Zeit, bis der Zug sie zurück nach Berlin bringen sollte. Jörg machte mich mit Deniz Yücel von der Taz bekannt. Ich versprach ihm ein Rezensionsexemplar der Frankfurter Wegsehenswürdigkeiten. Er war sehr interessiert, schließlich sei er Hesse. Viele andere waren auch da und machten sich über die, doch sehr impossanten, Reste her. Und Undine war da. Diesmal hatten wir etwas mehr Zeit zum Plaudern. Jetzt sind wir auf Facebook „befreundet“. Dafür ist Facebook da.
Es sind die Menschen, die die Messe ausmachen, und bei vielen wünschte ich mir, sie öfter als nur einmal jährlich zu sehen (längst nicht alle habe ich hier erwähnt). Verpasst habe ich leider Marion Brasch. Aber daran bin ich selbst schuld.
Also, bis zum nächsten Jahr. Und vielleicht darf ich ja auch mal wieder Kisten schleppen.

Sie nennen mich den Wolfgang Koeppen der Satire

Ein Facebook-Gespräch mit dem Frankfurter Autor Leo Fischer*

25. Feb. 17:09
Leo Fischer:
Lieber Stefan, wie sieht es denn mit Fotos aus für Deinen Stadtführer? Die wären für meinen Beitrag, wie ich ihn jetzt geplant habe, extrem wichtig. Sind Fotos möglich, und wenn ja, mache ich selber welche, oder wird ein Fotograf zu von mir bezeichneten Orten geschickt? Beste Grüße

17:27
Stefan Geyer:
Lieber Leo, ja, unbedingt EIN Foto, am besten selbst gemacht. Steht auch so im Exposé. Und bitte noch eine KURZE Vita. Geboren wann und wo, lebt als… in… Letzte Verõffentlichung. Nicht mehr. Bin sehr gespannt auf Deinen Beitrag. Beste Grüße, Stefan

17:28
L.F.:
Lieber Stefan, gehen auch mehrere Fotos? Ich möchte ja eine Führung durch die T*** machen. Der Text würde Dich dann nächste, spätestens übernächste Woche erreichen, wenn das konveniert.
Herzlich, Leo

17:33
S.G.:
Muß ich mit Jürgen besprechen. Aber wieso nicht. Wir sind nicht dogmatisch. Manch einer will gar kein Foto. Aber nicht mehr als drei, bitte. Wir wollen ein Lesebuch machen. Bis denn, Stefan

17:33
L.F.:
Okay, dann muß ich halt den Rest anschaulich beschreiben.

17:34
S.G:
Genau, Du bist doch ein Mann des Worts. 🙂

10. März, 15:01
S.G.:
Lieber Leo, ich möchte Dich sanft daran erinnern, daß der Abgabetermin naht. In drei Wochen spätestens brauchen wir die Texte. Bitte schick mir auch noch eine Kurzvita: Geboren… in…, lebt in …, arbeitet als… bei…, letzte Veröffentlichung…
Vielen Dank und herzliche Grüße
Stefan

15:23
L.F.:
Ja! Bis Ende der Woche.

16:44
S.G.:
Prima.

13. März, 18:42
L.F.:
Lieber Stefan, leider konnte ich meine Besichtigung noch nicht machen, da ich mit einem schweren Husten zu kämpfen habe. Ich hoffe, daß es über das Wochenende besser wird. Du erhältst den Text dann Anfang der Woche. Herzlich Leo

22:28
S.G.:
Kein Streß, das reicht locker. Gute Besserung. Und wir sehen uns beim Medienmittwoch. Herzlich, Stefan

8. April, 15:44
S.G.:
Hallo Leo, was macht der Text? Grüße, Stefan

15:56
L.F.:
Donnerstag! Ganz g’wiß.

16:14
S.G.:
Prima. Freu mich.

12.April, 12:16
S.G.:
Und?

19. April, 14:07
S.G.:
Lieber Leo, allerletzter Termin: 27. Apr. Wir würden es bedauern, wenn Du nicht dabei wärst. Und Du vielleicht auch. Schöne Feiertage, Stefan

20. April, 02:35
L.F.:

FB-Daumen

 

 

 

 

28. April, 14:49
S.G.:
Leo, gib mir bitte eine aufrichtige Antwort. Besteht die realsitische Aussicht, daß wir Deinen Beitrag noch kriegen, oder nicht? Wir haben jetzt die Deadline bereits um 4 Wochen nach hinten verlegt und ich habe keine Lust, das für nichts und wieder nichts erneut zu tun. Wir stehen auch unter Zeitdruck. Grüße, Stefan

14:55
L.F.:
Das weiß ich, Stefan. Wenn Ihr den Beitrag morgen nicht habt, dann dürft ihr mir zur Strafe hundert Mal auf den Kopf schlagen. Dies gelobt feierlich: Leo

14:57
S.G.:
Na, da bin ich aber gespannt. Würde mich wirklich sehr freuen!!!

22:22
L.F.:
Der Artikel ist praktisch fertig, habe heute auch noch mal Fotos gemacht. Ich überarbeite ihn morgen früh und schicke ihn Dir dann.

30. April, 00:31
S.G:
Und ich dachte schon, wir könnten zur Buchvorstellung Hau Den Leo spielen. Bin sehr gespannt.

19:14
L.F.:
Sorry, habe gestern abend noch jemanden kennengelernt… morgen früh!

19:34
S.G.:
Hoffentlich hat es sich gelohnt. OK, morgen.

01.Mai, 17:56
L.F.:
Der Liebe eine Gasse! Meine neue Bekanntschaft beansprucht mich leider. Aber morgen früh hast Du ihn, beim Zeus!

18:10
S.G.:
Ich glaube, aus unserer Facebookkommunikation mache ich einen eigenen Anhang. Aber es sei Dir gegönnt.

19:48
L.F.:
Sie nennen mich den Wolfgang Koeppen der Satire.

05. Mai, 12:34
S.G.:
Leo, LAST CALL!

16:39
L.F.:
Lieber Stefan, wenn Du ihn morgen nicht hast, will ich für immer schweigen.

16:39
S.G.:
Ich will ihn! Und Dich sprechend. Ansonsten schick mir was Du hast. Z.B. den schönen Text, den Du beim […] gelesen hast, Goethedenkmal (gemeint war ein Kunstobjekt mit dem Titel „Ein Haus für Goethe“).

06. Mai, 19:05
L.F.:
Bin fast fertig! In anderthalb Stunden hast Du ihn.

20:45
L.F.:
Bittesehr!

20:55
S.G.:
Bin nicht zuhause. Aber sehr gespannt. Vielen Dank!

21:07
L.F.:
Evtl. morgen noch mal überarbeitet…

23:46
S.G.:
Da wird nichts mehr überarbeitet! Es liegt jetzt in Herrn Roths Hand. Aber, lieber Leo, das Warten hat sich gelohnt. Ein wunderbarer Text! […]

 

 

*Mit freundlicher Genehmigung von Leo Fischer

 

 

 

 

 

Das Klabunt ist zu

Am Sonntag war es also soweit, das Klabunt sagte tschö. Nach neun Jahren muß die Kultkneipe für etwas weichen, das die Frankfurter Neue Presse „Quartiersparkhaus mit Einkaufsmarkt und Wohnungen“ nennt. Investor Gaumer hingegen hält sich bedeckt was seine Pläne für das Gelände angeht und die Bauaufsicht spricht von 29 Wohneinheiten, einer großen Einzelhandelsfläche und einem Parkhaus. Wenn es irgendwas gibt, an dem in Bornheim kein Mangel herrscht, dann sind es Supermärkte, egal ob konventionell, bio oder vegan. In unmittelbarer Nähe der künftigen „Quartiersgarage“ finden sich allein derer drei. Was auch immer dort gebaut wird, es darf getrost mit dem Schlimmsten gerechnet werden.
Seit zwei Jahren schon hing dieses Damoklesschwert über dem Lokal. Das Klabunt bewegte sich auf unsicherem Terrain, ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen.
Der Satirelandgasthof (Eigenbeschreibung) war mehr als eine Kneipe, er war eine kulturell-kulinarische Institution – bekannt weit über Frankfurts Grenzen hinaus – vielen auch Heimat und Wohnzimmer. Es gibt Menschen, die behaupten, alles was sie in Frankfurt kennen würden, hätten sie dem Klabunt zu verdanken. Ich zum Beispiel.
Als ich im Januar 2000 aus Berlin nach Frankfurt kam, kannte ich nur wenige Leute, sie wohnten in Offenbach. Dort wohnte ich auch während der ersten drei Monate. Als ich eine Wohnung in Bornheim fand, erkundete ich die Gegend auf der Suche nach einem Lokal, das ich zu meiner Stammkneipe machen könnte. Ich probierte einige aus, auch im Nordend – und fand keine. In Kreuzberg hatte ich immer eine Stammkneipe. Solche Kneipen müssen fußläufig erreichbar sein, ein vernünftiges Preisleistungsverhältnis haben, die Musik darf nicht nerven und vorallem müssen Personal und Publikum nett sein. Man geht dort hin, in der Gewissheit irgend jemand zu treffen, den man kennt, und man geht dort hin, wenn man mal pleite ist und anschreiben lassen kann. Stammkneipen sind unerläßlich um sich irgendwo wohlzufühlen, ein Stück Heimat eben. Das fehlte mir während meiner ersten Jahre in Frankfurt.
Bis im Jahre 2005 das Klabunt eröffnete. Zirka zwei Wochen nach der Eröffnung war ich mit einem Freund erstmals da. Es war ein schöner Sommertag, wir setzten uns draußen an einen Biertisch. Das Essen war reichlich und lecker, das Bier schmeckte auch. Wir waren sehr satt und verlangten zur Verdauung Wodka. Wodka sei nicht im Angebot, sagte der Wirt, er würde uns was anderes bringen, wir sollten gespannt sein. Er brachte, wie konnte es anders sein, Haselnussgeist von Dirker und noch was anderes, Himbeerbrand wahrscheinlich. Beides war köstlich. Der Haselnussgeist hat sich dann auch zum absoluten Bestseller des Klabunt entwickelt. Manche gingen dort nur hin um diesen Schnaps zu trinken. An diesem Abend war meine Suche nach einer Stammkneipe beendet.
Es dauerte nicht lange und man begrüßte sich mit Namen. Auch kam man schnell mit anderen Gästen in Kontakt, aus einigen sind Freunde geworden.
Und dann gab es noch die regelmäßigen Satirelesungen aus dem Umfeld der Titanic und darüber hinaus. Einige der Autoren, die im Klabunt gelesen haben, kamen am Sonntag um sich von Christa Brill, Andreas Kramer und ihrem Klabunt zu verabschieden – Eckard Henscheid, Oliver Maria Schmitt, Leo Fischer, Pit Knorr, Tilman Birr, Elis, Mark-Stefan Tietze, um nur ein paar zu nennen.
Zu der einen oder anderen Veranstaltungen konnte ich organisatorisch beitragen, so bei einer Lesung mit Wolfram Koch, der aus Magnus Mills „Die Herren der Zäune“ las, einem meiner Lieblingsbücher. Später folgten dann Abende mit Detlef Kuhlbrodt, Wolfgang Welt und Andreas Maier.
Am letzten Abend war es natürlich nochmal sehr voll, manche der Gäste waren wohl auch zum ersten Mal da. Sehr schnell war die Küche ausverkauft, dann war der Haselnussgeist und der Apfelwein alle, bald darauf auch das Schlappeseppel. Dann wurde halt getrunken, was noch da war.
Jetzt ist es vorbei. Und doch gibt es keinen Grund zur Trauer. Der neue Ort ist bereits gefunden. Dort wird renoviert und im Mai soll die Eröffnung sein. Und bis es soweit ist, gehen wir halt woanders unseren Schoppen trinken.

Nachtrag: Der Name der Gaststätte sorgte stets für Verwirrung, nicht zuletzt wegen der eigenwilligen Typographie. Er war einerseits ein Wortspiel aus KLAA und BUNT – was das Lokal trefflich charakterisierte – sowie eine Hommage an den Satiriker und Zeitgenossen Tucholskys, Klabund. An das „d“ in des Autors Synonym erinnerte ein kleiner Kringel im „t“ des Kneipennamens, wie am Außentransparent zu sehen war. Das führte zu allerlei Verwirrung bezüglich Aussprache und korrekter Schreibweise. Da wurde schon mal vom „Klabunat“ gesprochen oder „Klabundt“ und „Klabund“ geschrieben. Richtig ist und war: KLABUNT.

 

 

 

19. März 2014

Gestern fand erneut der MedienMittwoch statt, eine Veranstaltungsreihe an wechselnden Orten, die sich zum Ziel gesetzt hat „Networking und Gedankenaustausch zwischen Medienschaffenden, der Finanzwirtschaft und der Politik“ zu ermöglichen. Ich war zum zweiten Mal dabei. Der Anlaß für die gestrige Veranstaltung war das Lichter Filmfestival, das am kommenden Dienstag startet. Das Festival steht in diesem Jahr unter dem Motto Humor und der MedienMittwoch diente als Auftaktveranstaltung.

Leo Fischer liest u.a. aus den "Fröhlichen Hundegeschichten".

Leo Fischer liest u.a. aus den „Fröhlichen Hundegeschichten“.

So wurde zu Beginn von einem der Macher des Festivals eine kurze Einführung in das Filmfest gegeben. Als Gast war, getreu des Mottos, Leo Fischer geladen, der seit kurzem den Ehrentitel Ehemaliger Titanic-Chefredakteur tragen darf. Er sollte aus seinem neuen Buch lesen, das unter dem Titel „Fröhliche Hundegeschichten“ Titanic-Kolumnen Fischers versammelt und im Mai bei Eichborn erscheint. Es war vielleicht der Titel, der die zahlreichen Gäste in das Gebäude namens VAU an der Mainzer Landstraße lockte. Aber Fischer enttäuschte die Erwartungen, jedenfalls teilweise. Er las nämlich nicht nur seine Hunde-Kolumnen, die so fröhlich gar nicht sind, sondern auch andere Texte aus der Titanic oder dem Neuen Deutschland. Schnell wurde deutlich, daß sich dort nicht das typische, titanicaffine Publikum versammelt hatte und es dauerte etwa 20 Minuten bis die Ersten aufstanden und gingen. Als Fischer nach einer Stunde endete, hatte sich der hörsaal-ähnliche Raum deutlich geleert. Also alles richtig gemacht, Leo. Das verbliebene Publikum hatte seinen Spaß, ich auch.

Auf das anschließende Networking habe ich verzichtet.

In der Nacht von einer ehemaligen Kollegin geträumt, die anders aussah, von einem Opel Elektroauto, das anders aussah und einem Hund, der anders aussah.

Post von der PARTEI

Der Brief, der mich heute erreichte, versetzte mich, aufgrund der Adresse seines Absenders, in eine leicht melancholische Gemütslage – er stammt aus der Kopischstraße 10 in 10965 Berlin. Für Ortsunkundige, das ist Kreuzberg. Die Kopischstraße ist eine der kürzesten Straßen Berlins, eine höhere Hausnummer als die 10 gibt es dort nicht. Die Kopischstraße besteht also aus genau zehn Häusern und sie liegt in ein einer der schönsten Gegenden Berlins. Viel schöner kann man meiner Meinung nach in Berlin nicht wohnen. Unweit liegt der Chamissoplatz und Touristen wird immerhin die nahegelegene Flaniermeile Bergmannstraße ein Begriff sein. Der ehemalige Flughafen Tempelhof – jetzt Tempelhofer Park – ist fußläufig erreichbar. Ebenso fußläufig erreichbar ist das beste und schönste italienische Restaurant deutschlandweit, von dem ich aber nicht mehr verrate, es ist recht klein und ohnehin immer zu voll.

In einem dieser zehn Häuser der Kopischstraße habe ich 23 Jahre lang gewohnt, in der Nr. 1. Die Miete für die knapp 56 qm, Vorderhaus, Innentoilette, Ofenheizung, fliessendes kaltes Wasser, betrug damals DM 184,02. Benannt ist die Kopischstraße nach dem Dichter August Kopisch (1799 – 1853), und der hat immerhin die Heinzelmännchen zu Köln erfunden. Aber das nur nebenbei.

Als ich dort einzog hatte noch niemand von Gentrifizierung gehört und mit dem zentralen Anliegen der Partei, Die PARTEI, „Wir bauen die Mauer wieder auf“ wäre allenfalls nacktes Unverständnis, keineswegs aber ein Blumentopf, zu gewinnen gewesen.

In der Kopischstraße 10 residiert schon seit einigen Jahren das Berliner Büro des TITANIC Verlags, die Hausnummer 1 liegt schräg gegenüber. Ich hätte also dem TITANIC Büro Kirschkerne ans Fenster spucken können, würde ich Kirschen essen.

Der Brief, den mir das TITANIC Büro in der Kopischstraße 10 geschickt hat, enthielt einen Formbrief des Bundesverbandes der Partei, Die PARTEI. Dort wurde mir – „Liebes Parteimitglied“ – mitgeteilt, dass meinem Aufnahmeantrag stattgegeben wurde und mir mein NEUER PARTEI-Ausweis zugesand, Mitgliedsnummer 7562. Der Mitgliedsausweis kommt als Passepartout daher, mit ihm dürfe man überall durch.

Ferner wurde ich aufgefordert, doch bitte den Mitgliedsbeitrag von € 10,- auf das Konto ****** bei der Bank ****** zu überweisen. Auch Spenden gegenüber sei man durchaus positiv eingestellt.

Liebe PARTEI, meinen Mitgliedsbeitrag habe ich bereits am 01.11. 2010 im Satirelandgasthof Klabunt zu Frankfurt-Bornheim in bar bei Herrn Jan S., dem „Politischen Geschäftsführer“ des Landesverbandes Hessen beglichen. Sie könnten argumentieren, das sei der Beitrag für das vergangene Jahr gewesen, aber ich war im letzten Jahr gar kein PARTEI-Mitglied, wie ich in meinem Brief vom 05.01.2011 an Herrn Christian Sch., dem Vorsitzenden des Landesverbandes Hessen, dargelegt habe. In diesem Brief sprach ich auch von meinem schwindenden Interesse, überhaupt noch PARTEI-Mitglied zu werden. Ich zitiere:

„Wenn ich Sie also, verehrter Herr Sch., bitten dürfte, mir auf irgendeine Art zu bestätigen, das ich kein Mitglied der Partei, Die PARTEI, Landesverband Hessen, bin, und auch nie war, dann wäre ich Ihnen sehr verbunden.“

Nun gut, jetzt bin ich Mitglied mit einer Nummer, kann also wieder austreten. Aber vorher teste ich noch den Ausweis auf seine Passepartout-Fähigkeiten. Vielleicht gewährt der Herr K. vom Satirelandgasthof Klabunt gegen Vorlage dieses Ausweises ja doch noch 10% Rabatt auf alles. Obwohl, das ist mehr als unwahrscheinlich.