01. November 2014 – Ein Rückblick mit Musik, einer Buchpräsentation, einer Buchmesse und jeder Menge Namedropping

Der Oktober 2014 war ein besonderer Monat

Es fing schon Ende September an mit dem Konzert der Schwestern aus Schweden, die als First Aid Kit derzeit Erfolge feiern. Zurecht, wie ich nach dem Konzert sagen kann. Die eigentliche Sensation aber war der Support, ein junger Mann aus Manchester, Jo Rose, der allein mit seiner akustischen Gitarre auf der Bühne stand und schon nach wenigen Takten das Publikum im gut gefüllten Zoom zum Schweigen und gebanntem Lauschen brachte. Was für eine Stimme, was für wunderbare Songs! Er hat die Musik nicht neu erfunden, braucht sich aber nicht hinter namhaften Kollegen wie M. Ward, Joe Henry, Rufus Wainwright oder auch Neil Young zu verstecken.

Jo Rose Debüt Album

Jo Rose Debüt Album

Nach Konzertende habe ich mir die Debüt-CD gekauft (Vinyl gab`s leider nicht) und vom Künstler signieren lassen. Zuhause dann gehört und erneut völlig überrascht. Anders als auf der Bühne des Zoom, wird Jo Rose hier von einer Band begleitet. Wir hören neben den üblichen Begleitinstrumenten, Bläser, Streicher und eine Steelguitar, großartig arrangiert das Ganze. Nach einer halben Stunde endet die CD und man braucht eine Weile, um von diesem Rausch wieder auf dem Fußboden zu landen. Sensationell – und wenn es eine Gerechtigkeit gibt in der Musikwelt, dann wird dieser Mann eine große Karriere machen und die signierte Debüt-CD in einigen Jahren ein kleines Vermögen wert sein.

Buchpräsentation

Es folgte am 2. Oktober die Vorstellung der Frankfurter Wegsehenswürdigkeiten. Zwanzig Jahre habe ich auf diesen Moment gehofft, nun war er da und ich entsprechend aufgeregt. Aber es ging alles gut. Die Romanfabrik war sehr gut gefüllt und niemand ist früher gegangen, obwohl sich der Abend in die Länge zog. Etwas über anderthalb Stunden wurde gelesen, nur unterbrochen von einem kleinen und feinen musikalischen Intermezzo durch Elis. Die Reaktionen waren sehr positiv und der Buchhändler hat gut verkauft. Mein alter Freund Joe Bauer aus Stuttgart, der das Vorwort geschrieben hat, kam mit Freundin Barbara angereist und sie blieben über das Wochenende. Wir sind stundenlang durch Frankfurt gelatscht, auf den Spuren der Wegsehenswürdigkeiten.

Buchmesse

Aufräumarbeiten beim Messeaufbau

Aufräumarbeiten beim Messeaufbau

Dann natürlich die Buchmesse. Es fing, wie in den letzten Jahren auch, am Dienstag an mit dem Aufbau am Suhrkampstand. Aufbautage sind besondere Tage, der Messebetrieb hat noch nicht angefangen und es ist schön, alte Kolleginnen und Kollegen zu treffen. Überall ist eine gewisse Euphorie zu spüren. Die Messe ist das Familientreffen der Buchmenschen. Dieser Tag endet traditionell mit Altbier und Brezeln beim Buchmarkt. Dort trifft man dann Menschen aus anderen Verlagen und erfährt die ersten Neuigkeiten. Nicht mehr ganz nüchtern endet der Dienstag und alle freuen sich auf das, was in den nächsten Tagen kommen wird.
Allzuviel will ich über die Messe gar nicht schreiben, das haben mein Messegast Stefan Möller und Wiebke Ladwig bereits trefflich erledigt. Am wichtigsten sind ohnehin immer die Menschen, die man trifft. So konnte ich endlich Stephanie Bart persönlich kennenlernen, mit der ich schon seit einiger Zeit recht intensiv über Twitter verbunden bin. Sie hat mit Deutscher Meister einen beeindruckenden Roman geschrieben, der bei HoCa Spitzentitel ist. Am Donnerstagabend las sie bei Open Books, ich war dabei. Dort lernte ich dann endlich auch mal Philipp Werner kennen, Stephanies Lektor bei HoCa und Moderator der Lesung. Ich hatte mit ihm zu tun, als er meine Anthologie Mit des Blitzes Schnelle im Fischer Taschenbuchverlag betreute. Dieser Kontakt lief allerdings ausschließlich über Mail, getroffen hatten wir uns nie. Dafür gibt es die Messe.
Normalerweise wären wir jetzt nach Sachsenhausen gefahren zum Fest des Fischer Verlages. Aber das fiel wegen irgendwelcher Auflagen der Versicherung in diesem Jahr aus. Dankenswerterweise hat die Titanic ihren Abend von Freitag auf Donnerstag vorgezogen – und ich hatte, Leo Fischer sei Dank, erstmals eine Einladung. Vielleicht das schönste Fest der Messe – in einem Bootshaus am Main mit Skylineblick -, was ich leicht sagen kann, da es auch mein einziges war. Und hätte ich geahnt, was für ein köstliches Büffet die Chefsatiriker auffahren ließen, ich hätte auf die überteuerte Tüte Pommes in der Innenstadt verzichtet. Es war ne Menge Prominenz da, inklusive eines echten Europaabgeordneten.

Ich werde eher nie von Frauen angesprochen, doch bei der Titanic-Party passierte genau das. „Du bist doch der, der mir vor zwei Jahren geholfen hat, die Kisten ins Auto zu schleppen.“ Jetzt dämmerte es auch mir. Vor mir stand die wunderbare Undine Löhfelm von Orange Press in Freiburg. In der Tat, es hatte sich damals so ergeben und ich half ihr, die Kisten mit dem Standinventar des Verlags am Ende der Messe zum Auto zu schleppen. Es war eine elende Plackerei. Wir plauderten kurz und dann war sie wieder verschwunden.

Jürgen Roth und ich waren am Freitagabend im Rahmen von Open Books in der Heussenstamm Galerie zu Gast. Unterstützt wurden wir von Dirk Braunstein und Philipp Mosetter, die auch schon bei der Präsentation in der Romanfabrik dabei waren. Die Galerie war sehr gut besucht und ich mal wieder etwas nervös, sollte ich doch erstmals meinen Text vortragen. Zum Glück war die Zeit knapp bemessen, mein Vortrag war nicht mehr nötig und ich habe ein bißchen moderiert. Die beteiligten Herren haben auch alles bestens besorgt. Imposant wie Jürgen Roth den Text von Eckhard Henscheid las. Nach einer knappen Stunde war es zur Zufriedenheit aller erledigt und wir konnten eine nahegelegene Bindingkaschemme aufsuchen.
Der Samstag begann früh. Gegen elf Uhr setzte ich mich aufs Rad und fuhr gen Gallus. In einer dortigen Galerie war eine „Frühschoppenlesung“ annonciert, mit dem Kollegen Jürgen Roth und Thomas Kapielski. Ich kam zu spät, konnte dafür aber meinen Eintrittsobulus frei wählen. Einen Zehner war mir die Sache dann noch wert, war doch unbeschränkt Bier und Kaffee und Rindswurst darin enthalten. Ich nahm alles und amüsierte mich köstlich – wie alle Anwesenden in dem gut gefüllten Hinterhofraum. In Leipzig finden diese Lesungen regelmäßig satt, für Frankfurt war es eine Premiere. Es ist zu wünschen, daß es nicht dabei bleibt. Nachmittags dann auf der Messe ein Treffen mit der sehr geschätzten Twitterfreundin @mokka98. Es war sehr kurzweilig und leider auch zu kurz. Man kann sich trefflich mit ihr unterhalten, Bier trinken (schon wieder) und Fahrrad fahren. Letzeres weiß ich noch nicht, hoffe aber, daß es im nächsten Jahr mal dazu kommen wird. Schön, wenn sich die virtuelle Welt im richtigen Leben wiederfindet.

Arbeiten und Restetrinken – der letzte Tag

Am Sonntag stand ich wieder in Diensten des Suhrkamp Verlages. Es wird verkauft und alles ist recht betriebsam. Große Freude kam auf, als Markus Hablizel vorbeischaute. Er hatte etwas Zeit und wir konnten uns unterhalten. Vor einigen Jahren hatte er mit seinem Verlag noch einen eigenen Stand in Frankfurt. Jetzt steckt er das Geld lieber in andere Sachen, wie z. B. ein fünftägiges Fest in Köln zum fünfjährigen Bestehen seines Verlages. Herzlichen Glückwunsch nochmals an dieser Stelle. Solche Verlage sind das Salz in der Suppe der Literatur.
Dann war schon wieder Schluss, fast. Es folgte noch das Restetrinken beim Folio Verlag. Auch hier war ich erstmals dabei. Irgendwer hatte mich überredet (es war nicht schwer). Vielleicht war doch diese „After Work Party“ und nicht das Titanic-Fest die schönste Party der Messe. Der eifrige Jörg Sundermeier war da, Kristine Listau selbstverständlich auch. Sie hatten noch etwas Zeit, bis der Zug sie zurück nach Berlin bringen sollte. Jörg machte mich mit Deniz Yücel von der Taz bekannt. Ich versprach ihm ein Rezensionsexemplar der Frankfurter Wegsehenswürdigkeiten. Er war sehr interessiert, schließlich sei er Hesse. Viele andere waren auch da und machten sich über die, doch sehr impossanten, Reste her. Und Undine war da. Diesmal hatten wir etwas mehr Zeit zum Plaudern. Jetzt sind wir auf Facebook „befreundet“. Dafür ist Facebook da.
Es sind die Menschen, die die Messe ausmachen, und bei vielen wünschte ich mir, sie öfter als nur einmal jährlich zu sehen (längst nicht alle habe ich hier erwähnt). Verpasst habe ich leider Marion Brasch. Aber daran bin ich selbst schuld.
Also, bis zum nächsten Jahr. Und vielleicht darf ich ja auch mal wieder Kisten schleppen.

Sie nennen mich den Wolfgang Koeppen der Satire

Ein Facebook-Gespräch mit dem Frankfurter Autor Leo Fischer*

25. Feb. 17:09
Leo Fischer:
Lieber Stefan, wie sieht es denn mit Fotos aus für Deinen Stadtführer? Die wären für meinen Beitrag, wie ich ihn jetzt geplant habe, extrem wichtig. Sind Fotos möglich, und wenn ja, mache ich selber welche, oder wird ein Fotograf zu von mir bezeichneten Orten geschickt? Beste Grüße

17:27
Stefan Geyer:
Lieber Leo, ja, unbedingt EIN Foto, am besten selbst gemacht. Steht auch so im Exposé. Und bitte noch eine KURZE Vita. Geboren wann und wo, lebt als… in… Letzte Verõffentlichung. Nicht mehr. Bin sehr gespannt auf Deinen Beitrag. Beste Grüße, Stefan

17:28
L.F.:
Lieber Stefan, gehen auch mehrere Fotos? Ich möchte ja eine Führung durch die T*** machen. Der Text würde Dich dann nächste, spätestens übernächste Woche erreichen, wenn das konveniert.
Herzlich, Leo

17:33
S.G.:
Muß ich mit Jürgen besprechen. Aber wieso nicht. Wir sind nicht dogmatisch. Manch einer will gar kein Foto. Aber nicht mehr als drei, bitte. Wir wollen ein Lesebuch machen. Bis denn, Stefan

17:33
L.F.:
Okay, dann muß ich halt den Rest anschaulich beschreiben.

17:34
S.G:
Genau, Du bist doch ein Mann des Worts. 🙂

10. März, 15:01
S.G.:
Lieber Leo, ich möchte Dich sanft daran erinnern, daß der Abgabetermin naht. In drei Wochen spätestens brauchen wir die Texte. Bitte schick mir auch noch eine Kurzvita: Geboren… in…, lebt in …, arbeitet als… bei…, letzte Veröffentlichung…
Vielen Dank und herzliche Grüße
Stefan

15:23
L.F.:
Ja! Bis Ende der Woche.

16:44
S.G.:
Prima.

13. März, 18:42
L.F.:
Lieber Stefan, leider konnte ich meine Besichtigung noch nicht machen, da ich mit einem schweren Husten zu kämpfen habe. Ich hoffe, daß es über das Wochenende besser wird. Du erhältst den Text dann Anfang der Woche. Herzlich Leo

22:28
S.G.:
Kein Streß, das reicht locker. Gute Besserung. Und wir sehen uns beim Medienmittwoch. Herzlich, Stefan

8. April, 15:44
S.G.:
Hallo Leo, was macht der Text? Grüße, Stefan

15:56
L.F.:
Donnerstag! Ganz g’wiß.

16:14
S.G.:
Prima. Freu mich.

12.April, 12:16
S.G.:
Und?

19. April, 14:07
S.G.:
Lieber Leo, allerletzter Termin: 27. Apr. Wir würden es bedauern, wenn Du nicht dabei wärst. Und Du vielleicht auch. Schöne Feiertage, Stefan

20. April, 02:35
L.F.:

FB-Daumen

 

 

 

 

28. April, 14:49
S.G.:
Leo, gib mir bitte eine aufrichtige Antwort. Besteht die realsitische Aussicht, daß wir Deinen Beitrag noch kriegen, oder nicht? Wir haben jetzt die Deadline bereits um 4 Wochen nach hinten verlegt und ich habe keine Lust, das für nichts und wieder nichts erneut zu tun. Wir stehen auch unter Zeitdruck. Grüße, Stefan

14:55
L.F.:
Das weiß ich, Stefan. Wenn Ihr den Beitrag morgen nicht habt, dann dürft ihr mir zur Strafe hundert Mal auf den Kopf schlagen. Dies gelobt feierlich: Leo

14:57
S.G.:
Na, da bin ich aber gespannt. Würde mich wirklich sehr freuen!!!

22:22
L.F.:
Der Artikel ist praktisch fertig, habe heute auch noch mal Fotos gemacht. Ich überarbeite ihn morgen früh und schicke ihn Dir dann.

30. April, 00:31
S.G:
Und ich dachte schon, wir könnten zur Buchvorstellung Hau Den Leo spielen. Bin sehr gespannt.

19:14
L.F.:
Sorry, habe gestern abend noch jemanden kennengelernt… morgen früh!

19:34
S.G.:
Hoffentlich hat es sich gelohnt. OK, morgen.

01.Mai, 17:56
L.F.:
Der Liebe eine Gasse! Meine neue Bekanntschaft beansprucht mich leider. Aber morgen früh hast Du ihn, beim Zeus!

18:10
S.G.:
Ich glaube, aus unserer Facebookkommunikation mache ich einen eigenen Anhang. Aber es sei Dir gegönnt.

19:48
L.F.:
Sie nennen mich den Wolfgang Koeppen der Satire.

05. Mai, 12:34
S.G.:
Leo, LAST CALL!

16:39
L.F.:
Lieber Stefan, wenn Du ihn morgen nicht hast, will ich für immer schweigen.

16:39
S.G.:
Ich will ihn! Und Dich sprechend. Ansonsten schick mir was Du hast. Z.B. den schönen Text, den Du beim […] gelesen hast, Goethedenkmal (gemeint war ein Kunstobjekt mit dem Titel „Ein Haus für Goethe“).

06. Mai, 19:05
L.F.:
Bin fast fertig! In anderthalb Stunden hast Du ihn.

20:45
L.F.:
Bittesehr!

20:55
S.G.:
Bin nicht zuhause. Aber sehr gespannt. Vielen Dank!

21:07
L.F.:
Evtl. morgen noch mal überarbeitet…

23:46
S.G.:
Da wird nichts mehr überarbeitet! Es liegt jetzt in Herrn Roths Hand. Aber, lieber Leo, das Warten hat sich gelohnt. Ein wunderbarer Text! […]

 

 

*Mit freundlicher Genehmigung von Leo Fischer

 

 

 

 

 

19. März 2014

Gestern fand erneut der MedienMittwoch statt, eine Veranstaltungsreihe an wechselnden Orten, die sich zum Ziel gesetzt hat „Networking und Gedankenaustausch zwischen Medienschaffenden, der Finanzwirtschaft und der Politik“ zu ermöglichen. Ich war zum zweiten Mal dabei. Der Anlaß für die gestrige Veranstaltung war das Lichter Filmfestival, das am kommenden Dienstag startet. Das Festival steht in diesem Jahr unter dem Motto Humor und der MedienMittwoch diente als Auftaktveranstaltung.

Leo Fischer liest u.a. aus den "Fröhlichen Hundegeschichten".

Leo Fischer liest u.a. aus den „Fröhlichen Hundegeschichten“.

So wurde zu Beginn von einem der Macher des Festivals eine kurze Einführung in das Filmfest gegeben. Als Gast war, getreu des Mottos, Leo Fischer geladen, der seit kurzem den Ehrentitel Ehemaliger Titanic-Chefredakteur tragen darf. Er sollte aus seinem neuen Buch lesen, das unter dem Titel „Fröhliche Hundegeschichten“ Titanic-Kolumnen Fischers versammelt und im Mai bei Eichborn erscheint. Es war vielleicht der Titel, der die zahlreichen Gäste in das Gebäude namens VAU an der Mainzer Landstraße lockte. Aber Fischer enttäuschte die Erwartungen, jedenfalls teilweise. Er las nämlich nicht nur seine Hunde-Kolumnen, die so fröhlich gar nicht sind, sondern auch andere Texte aus der Titanic oder dem Neuen Deutschland. Schnell wurde deutlich, daß sich dort nicht das typische, titanicaffine Publikum versammelt hatte und es dauerte etwa 20 Minuten bis die Ersten aufstanden und gingen. Als Fischer nach einer Stunde endete, hatte sich der hörsaal-ähnliche Raum deutlich geleert. Also alles richtig gemacht, Leo. Das verbliebene Publikum hatte seinen Spaß, ich auch.

Auf das anschließende Networking habe ich verzichtet.

In der Nacht von einer ehemaligen Kollegin geträumt, die anders aussah, von einem Opel Elektroauto, das anders aussah und einem Hund, der anders aussah.