De Nobbät

  • Hat es Ihnen nicht geschme…?
  • Ach, des war todal versalze.
  • Wieso sagen Sie das nicht vo…?
  • Abbä isch zahl des, isch will ja kaan Ärscher…
  • Aber das nächste Mal sagen Sie das …
  • Isch bin de Nobbät. Des war todal versalze, abbä isch zahl des.
  • Also, Norbert, das nächste Mal sagst Du das vorher. Dann machen wir das neu. Wir wollen doch, dass es unseren Gästen schmeckt.
  • Ach, des war todal versalze.. abbä isch zahl des, isch will ja kaan Ärscher. Isch komm ja scho zwanzisch Jaahr her…
  • Ja, Norbert, aber das nächste Mal…
  • Isch wohn ja da vornne.. isch will ja kaan Ärscher..
  • Es gibt ja keinen Ärger, aber das nächste Mal..
  • Bist Du de Koch?
  • Ja, was ist? Hat es Ihnen nicht geschmeckt?
  • Isch bin de Nobbät.. dess war todal versalze, abbä isch zahl dess…
  • Also, wir haben das schon 35 – 40 mal verkauft und noch nie hat sich…
  • Ja, isch will ja kaan Ärscher.. isch zahl dess.
  • Aber das nächste Mal sagst Du das vorher, Norbert. Dann mach ich weniger Salz dran.
  • Jaja, isch komm ja scho zwanzisch Jaah her, isch wohn ja da vornne…
  • Ja gut, Norbert, dann schönen Abend noch. Und das nächste Mal sagst Du das vorher.
  • Jaja, tschö, isch will ja kaan Ärscher, tschö.
Advertisements

Der Jaja

Diese Geschichte ist schon ein paar Jahre alt, einige Details stimmen nicht mehr. Das ist nicht so tragisch, tragischer ist, daß die Person, um die es hier geht, schon seit Monaten nicht mehr gesehen wurde. Wir machen uns Sorgen. Deshalb habe ich die Geschichte vom Jaja nochmal ausgebuddelt.

Der Jaja

Jeden Freitag, pünktlich um 18 Uhr 45, betritt der Jaja das Klabunt. Ich sitze am Tresen, trinke mein Wochenendbier und der Jaja setzt sich ebenfalls an den Tresen. Er tut dies nicht meinetwegen, er weiß gar nicht wer ich bin oder wie ich heiße. Es weiß auch niemand, wie der Jaja heißt.
Aber der Jaja weiß wie der Wirt heißt.
„Der Andreas soll ma widder runner komme“, so sprach der Jaja heute. „Runner“ ist ein Ort, an dem es einen Thomas gibt.
„Grüße vom Thomas, gell!“
Der Jaja ist Handlungsreisender in Sachen Grußübermittlung, ein Grußhausierer. Unverlangt, zuverlässig und pünktlich trägt er Grüße von oben nach unten und von unten nach oben. Jeden Freitag überbringt er Grüße vom Thomas für den Andreas. Die durchdringende Stimme, mit der er dies tut, steht in seltsamem Kontrast zu seiner traurigen Gestalt.
Der Jaja ist ein dünner Mann unbestimmten Alters, mit schütterem Haar und einer silberfarbenen Kassenbrille. Sommers trägt er eine kurze helle Stoffhose, die ehemals eine lange, sicher noch hellere Stoffhose war, sowie ein T-Shirt, das vor vielen Jahren mal neu war. Die kurze Hose offenbart dünne, krampfadrige Beine, die in Turnschuhen stecken. Was sich in dem Stoffbeutel befindet, den er stets bei sich trägt, weiß nur er alleine.
Den Namen der Wirtin des Klabunt kann sich der Jaja nicht merken. Sie ist schlicht „die Frau“ oder „die Scheffin“.
„Scheffin, isch trink heut ma `n Kaffee.“ Das ist nicht überraschend, der Jaja trinkt immer Kaffee, niemals Alkohol. Stets verlangt er auch nach mehr als dem einen, zum Kaffee gereichten, Keks. Es entgeht ihm dann auch nicht, wenn plötzlich, von Freitag zu Freitag, die Kekssorte gewechselt wurde.
„Des sinn aber annere als letztes Ma. Klaaner sinn se auch. Schmegge tun se abber genauso.“ So sitzt er dann zufrieden mit seinem Kaffee und seinen vier Keksen am Tresen und gibt hin und wieder ein deutlich vernehmbares „ja, ja“ von sich. So kam der Jaja zu seinem Namen.
Der Unterschied zwischen einem Profigrüßer wie dem Jaja und einem Amateur wie mir liegt auf der Hand. Der Profi lässt sich seine Dienste bezahlen.
„Scheffin, gibste mer ma zwei Euro!“
Das Klabunt ist auf diese freitägliche Forderung vorbereitet. Auf der Zapfanlage steht ein Puppenstubenbembel. Darin landet all das „rote Geld“, die Ein-, Zwei- und Fünfcentmünzen, die seltsamerweise auch in einem Wirtshaus anfallen. Manchmal verirrt sich auch eine größere Münze in den winzigen Bembel. Nach einem groben Überblick über den Ertrag stopft sich der Jaja zufrieden die handvoll Münzen in die Hosentasche und verlässt nach zwanzig Minuten das Lokal, nicht ohne die Ermahnung, der Andreas solle mal wieder runner komme. Der Kaffee und die Kekse gehen aufs Haus. Wie jeden Freitag.
Niemals käme der Jaja auf die Idee, an einem anderen Tag als dem Freitag die Grüße vom Thomas zu überbringen. Ich habe ihn schon an anderen Tagen am Klabunt vorbeigehen sehen. Nie hatte er auch nur einen Blick für das Wirtshaus übrig. Unbeirrt zog er seines Wegs.
Gerne wüsste ich wie viel Grüße der Jaja wöchentlich so übermittelt und wer die jeweiligen Absender und Empfänger sind. Manchmal sehe ich ihn, wie er das „China Bistro Fröhlich“ gegenüber vom Klabunt betritt. Wen grüßt er dort und von wem? Die Entlohnung dürfte aber auch im „China Bistro Fröhlich“ die selbe sein, zwei Euro, eine Tasse Kaffee und vier Kekse, so das „China Bistro Fröhlich“ Kekse zum Kaffee reicht. Vielleicht gibt es auch chinesische Glückskekse.
Auch ist mir nicht bekannt wann der Jaja beim Thomas die Grüße für den Andreas abholt. Aber wahrscheinlich erfolgt die Übergabe folgendermaßen:
„Der Thomas soll ma widder nuff komme. Grüße vom Andreas, gell!“