Nach Frankfurt

Im letzten Jahr hatte ich angefangen, ein paar kleinere Geschichten aufzuschreiben. Einige sind fertig, andere noch nicht. Wahr sind sie alle, denn ich kann mir nichts ausdenken. Gerne hätte ich sie in einem kleinen Buch versammelt gesehen, konnte den Verlag aber nicht überzeugen. Das ist nicht so tragisch, es gibt ohnehin zu viele Bücher. Da ich keine Lust habe, bei anderen Verlagen anzuklopfen, werde ich hier gelegentlich die eine oder andere Geschichte zu veröffentlichen. Und immerhin eine dieser Geschichten wird in diesem Buch veröffentlicht, dass im Mai 2020 erscheinen soll.

Das Vorstellungsgespräch

Das Gespräch, das mein Leben veränderte, dauerte etwa eine Viertelstunde. Ich saß lediglich dabei als ginge mich das alles nichts an und hörte zu, wie sich zwei Männer über mich unterhielten. Nur gelegentlich gab ich einen Kommentar ab.

Am Morgen war ich in Berlin am Bahnhof Zoo in einen ICE gestiegen, der mich nach Frankfurt am Main brachte. Dort fuhr ich mit der U-Bahn ins Westend, fragte mich zur Lindenstraße durch und meldete mich am Empfang des Suhrkamp Verlages. Ich möge einen Moment Platz nehmen, gleich würde mich jemand abholen. Auf dem schwarzen Uwe-Johnson-Sofa im Eingangsbereich wartete ich ein- zwei Minuten, bis mich mein künftiger Abteilungsleiter und Vorgesetzter begrüßte. Der Aufzug brachte uns in den dritten Stock. Ich war zum Vorstellungsgespräch beim damaligen kaufmännischen Geschäftsführers des Verlags geladen. Für diesen Anlass hatte ich mir den ersten Anzug meines Lebens gekauft. Nun saß ich da in meinem Anzug und wartete darauf, dass das Vorstellungsgespräch beginnen würde und ich ein paar Fragen beantworten müsste. Das blieb aus. Was der Abteilungsleiter über mich berichtet hatte, schien dem Geschäftsführer zu genügen. Nach fünfzehn Minuten durfte ich wieder gehen, mein künftiger Chef versprach, sich zu melden. Ich fuhr zurück zum Bahnhof. Am Tresen der DB-Lounge vertrieb ich mir die Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges. Gegen 17 Uhr, ich trank mein zweites Bier, klingelt das Telefon. Ich hätte den Job, in den nächsten Tagen würde man mir den Arbeitsvertrag zuschicken, ich möge bitte am 10. Januar anfangen. Vierundzwanzig Jahre Berlin näherten sich dem Ende. In sechs Wochen musste ich umziehen. Der Kreis schließe sich, bemerkte mein Vater, ein gebürtiger Frankfurter, als ich anrief und die Neuigkeit verkündete.

Im Zug

Während mich der ICE zurück zum Bahnhof Zoo brachte, schaute ich aus dem Fenster und versuchte, mir mein künftiges Leben in „Westdeutschland“ vorzustellen. Ich kannte Frankfurt, hatte als Kind mit meinen Eltern schon einige Jahre in der Stadt gelebt und war in Sachsenhausen zur Schule gegangen. Zudem fuhr ich jährlich zur Buchmesse. Frankfurt war mir sympathisch, schön fand ich es nicht. Die Vorstellung, dort zu leben, fiel mir jedoch schwer. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass jemand freiwillig nach Frankfurt zog, etwa weil die Stadt so attraktiv ist, oder wegen des kulturellen Angebots und des hohen Freizeitwerts. Da ging man doch eher nach Berlin, Hamburg oder München. Frankfurt zählte für mich eher zu den grauen Mäusen unter den deutschen Städten, kurz vor Stuttgart und Hannover. Sicher, am Main ist es ganz schön, er wurde von der Stadt aber eher stiefmütterlich behandelt. Aber was ist der Main gegen die Wasserlandschaft Berlins mit Havel, Spree, Landwehrkanal und all den Seen? Und die Skyline war ganz hübsch anzusehen, Leben ging von diesen Gebäuden allerdings nicht aus. Wer nach Frankfurt zog, tat das eines Jobs oder vielleicht noch der Liebe wegen, nie jedoch aus freien Stücken. Dennoch, Apfelwein kannte und mochte ich und Fan der Eintracht war ich seit frühester Kindheit. Die Lage der Stadt und die Möglichkeit sehr schnell in alle Richtungen verschwinden zu können, schien mir ihr größter Vorteil zu sein. Ich fühlte mich als Berliner durch und durch, war jedoch bereit für Neues. Kurz zuvor hatte sich die lang umworbene Kölner Journalistin nach nur wenigen Monaten wieder von mir verabschiedet, und somit in einen Zustand versetzt, der wohl gemeinhin als Midlifecrisis bezeichnet wird. Bislang dachte ich immer, dieser Zustand sei eine Schimäre, aber jetzt hatte sie mich ordentlich im Griff und die Bereitschaft wachsen lassen, mein Leben zu ändern. Der Mauerfall hatte auch die Buchhandlung, in der ich elf Jahre gearbeitet hatte, in Schieflage gebracht. Längst war sie nicht mehr das erste Haus am Platze. Neue Konkurrenz hatte sich angesiedelt, die wirtschaftliche Situation der einst größten Buchhandlung Deutschlands verschlechterte sich zusehends. Mit Abfindungen sollten so viele wie möglich der ehemals einhundertvierzig Beschäftigten bewegt werden, freiwillig die Firma zu verlassen. Das traf sich gut mit meinem neuen Job bei Suhrkamp.

Die Stammkneipe

Am Abend wieder in Kreuzberg, steuerte ich umgehend meine Stammkneipe an. Sie lag auf dem Weg am Chamissoplatz, nur wenige Meter von dem Haus entfernt, in dem ich lebte. „Hansi“, sagte ich zum Wirt, „ich ziehe nach Frankfurt. Habe einen Job bei Suhrkamp, den konnte ich nicht ablehnen. In sechs Wochen bin ich weg.“ Hansi bedauerte das natürlich, beglückwünschte mich trotzdem, bemerkte aber, dass ich so einen Laden wie das Matto, so hieß die Kneipe, in Frankfurt wohl nur schwer finden würde. Er sollte recht behalten, zumindest für einige Jahre. Der letzte Tag des 20. Jahrhunderts war mein letzter Arbeitstag in Berlin.

Die ersten Monate

Zunächst kam ich bei Freunden in Offenbach unter, die ich aus gemeinsamen Berliner Tagen kannte. Ihr Gästezimmer diente mir für die ersten drei Monate als Unterkunft. Durch eine Suchanzeige in der Frankfurter Rundschau fand ich eine Wohnung in der Seckbacher Landstraße. Bornheim, so hieß es, sei ein begehrter Bezirk. Die Wohnung sagte mir zu. Ein Altbau, Parkettfußboden, Einbauküche, bezahlbar. Sie hatte die richtige Größe für mich und war ähnlich geschnitten wie meine Kreuzberger Wohnung. Der private Vermieter machte einen sympathischen Eindruck. Und doch hätte ich unter anderen Umständen diese Wohnung nicht genommen. Sie lag im ersten Stock an der Seckbacher Landstraße, einer stark befahrenen Ausfallstraße mit Busverkehr und ständigem Sirenengeheul der Rettungswagen, die Tag und Nacht das Bethanien- oder Katharinen-Krankenhaus ansteuerten. Das Rattern der U4, die unter dem Haus verkehrte, brummte durchs Haus und ließ es leicht vibrieren. An Schlaf bei offenem Fenster war nicht zu denken. Dennoch, ich brauchte eine Wohnung. An den Lärm würde ich mich schon gewöhnen, sagte ich mir. Im April zog ich ein.

Jetzt war ich schon einige Monate in Frankfurt. Ich war eingerichtet, mit den ersten Kollegen per Du, ich wusste auf welchen Wegen ich am bequemsten mit dem Rad von Bornheim ins Westend kam und wo ich einkaufen konnte. Eingelebt hatte ich mich nicht. Freundschaftliche Beziehungen zu meinen neuen Kolleginnen und Kollegen bauten sich nur zögerlich auf. Nach wie vor kannte ich nur meine alten Freunde aus Berliner Zeiten sowie einen ehemaligen Schulfreund, der in Frankfurt arbeitete und ebenfalls in Offenbach wohnte. Ich hatte in meiner Umgebung ein kleines Spanisches Lokal entdeckt, das uns zusagte. Bei José trafen wir uns wöchentlich, gelegentlich auch in Offenbach. Auf der Suche nach einer Wirtschaft, die als Stammkneipe geeignet war, besuchte ich diverse Wirtshäuser in der näheren Umgebung. Ich brauchte ein Matto. Aber ich wurde nicht fündig, keins der Lokale entsprach meinen Vorstellungen. Eine Apfelweinwirtschaft zu meiner Stammkneipe zu machen, wäre doch ein zu großer Schritt gewesen, quasi ein Kulturschock. Dem Thema musste man sich behutsam nähern. Ich verbrachte also die meisten meiner Abende zuhause, es sei denn die Offenbacher riefen. Eine Stammkneipe musste her. Aber was macht eine Kneipe zu einer Stammkneipe?

So eine Wirtschaft muss fußläufig in wenigen Minuten erreichbar sein. Das Matto war ideal, ich schaute aus dem Fenster und konnte zumindest im Sommer sehen, ob jemand draußen saß, den ich kannte. Meistens war das so. Und wenn ich niemanden kannte, war da immerhin Hansi, der Wirt, der stets ein offenes Ohr hatte. Die Einrichtung muss passen, Tischdecken und anderes Gedöns brauchte ich nicht. Ich suchte eine Kneipe, kein Restaurant. Das Angebot muss stimmen, gutes Bier, gutes Essen zu guten Preisen und natürlich ein gutes Publikum. Wenn schon Musik im Hintergrund läuft, muss mir diese gefallen. Und, ganz wichtig, der Wirt oder die Wirtsleute müssen sympathisch sein. Das ist vielleicht das Wichtigste. Dort will man sich wohlfühlen und auch mal, in Zeiten monetären Mangels, einen Deckel machen können. Zu diesem Wohlfühlen tragen der Wirt oder die Wirtin entscheidend bei, sie halten eine Kneipe zusammen.

Zwischen Berlin und Frankfurt

Meine Wohnung am Kreuzberger Chamissoplatz hatte ich behalten, sie war preiswert. In den ersten Monaten fuhr ich alle vierzehn Tage übers Wochenende nach Berlin und ging unter anderem ins Matto. Und da gab es noch meinen Lieblingsitaliener, Zagato, in der Bergmannstraße, gegenüber der Markthalle. Benannt war der Laden nach dem Konstrukteur der Alfa-Romeo-Sportwagen. Photos dieser Autos zierten dann auch die Wände des Lokals. Daneben Bilder von Rennmotorrädern, Inter Mailand und Radrennfahrern, Fausto Coppi und anderen. Die Decke tapeziert mit italienischen Sportzeitungen, die an die Triumphe des italienischen Fußballs erinnerten. Der Rest der Einrichtung war schlicht gehalten, Papiertischdecken, einfache Weingläser, keine aufgetürmten Servietten. Im nur selten genutzten Nebenraum stand ein altes Motorrad. Auf dem Heizkörper unter der großen Fensterfront ein Zettel: Füße runter von der Heizung, ZAKI ZAKI! An der Wand befahl ein weiterer Hinweis: Keine Zigarren! ZAKI ZAKI! Im Hintergrund erklang dezent italienische Schlagermusik der Fünfziger Jahre. Ein kleiner Raum, sieben Tische. Im Sommer zusätzlich fünf vor der Tür. Die Speisekarte änderte sich nie, Pizza suchte man vergebens. Gelegentlich gab es ein bis zwei wechselnde Tagesgerichte. Alles schmeckte köstlich. Die Weinkarte war überschaubar. Hier gab es von nichts zuviel, selbst die gespielte und übertriebene Freundlichkeit manch italienischer Kellnerdarsteller mit einem geträllerten Buona Sera Dottore und Ciao Bella hatte hier keinen Platz. Die Gäste wurden mit der gebotenen Zurückhaltung sehr freundlich begrüßt, bedient und verabschiedet, Smalltalk über Fußball und das eigene Befinden in angemessener Dosierung. Zum Abschluss gab`s einen Grappa aufs Haus. Zagato war ein Familienbetrieb, der Vater stand in der Küche, der Sohn, Mario, kümmerte sich um den Service. Das machten sie seit vielen Jahren so, täglich bis auf Sonntag. Mario war Eintrachtfan. Die Trikots erinnerten ihn an die von Inter Mailand. Wenn ich von Frankfurt aus anrief, um zu reservieren, lag dann auf dem jeweiligen Tisch ein Zettel, auf dem stand „Eintracht Stefan“. Als ich einige Jahre später bei einem weiteren Berlinbesuch mit einem befreundeten Buchhändler ins Zagato wollte, sagte dieser, der Laden sei zu, sie hätten vor einer hundertprozentigen Mieterhöhung kapituliert. Ich war geschockt und fühlte mich heimatlos. Nach einem solchen italienischen Lokal habe ich in Frankfurt bislang vergebens gesucht. In Berlin dann auch.

Sonntags kam der unausweichliche Zeitpunkt der Rückreise. Nach einem letzten Blick aus dem Fenster verließ ich wehmütig mein Gründerzeitviertel und stieg am Platz der Luftbrücke in die U-Bahn, die mich zum Hauptbahnhof brachte. Aus dem ICE heraus beobachtete ich wie mir Berlin unaufhaltsam entglitt. Vier Stunden später stieg ich fast vor meiner Haustür aus dem Schacht und fand mich auf der Seckbacher Landstraße, verloren und am falschen Ort. Autos rauschten vorbei und Passanten eilten zur U-Bahn. Was hatte ich hier zu suchen? Ob es so eine gute Idee war, aus Berlin wegzugehen? Diese Frage stellte ich mir über Jahre.

Nach zwei Jahren lernte ich die Nichte einer Kollegin kennen. Sie arbeitete im Eichborn Verlag als Lektorin. Wir wurden ein Paar, bis wir anderthalb Jahre später übereinstimmend feststellten, dass die Beziehung ein Irrtum war und wir uns wieder trennten. Aber durch sie lernte ich andere Menschen und Orte kennen, und kam somit etwas mehr in Frankfurt an. Am schönsten war es aber immer, wenn wir zusammen in Berlin waren. Sie ging leidenschaftlich gerne ins Matto und mochte Hansi, den Wirt, sehr.

Das Klabunt

Nach etwa fünf Jahren, ich war immer noch nicht richtig in Frankfurt angekommen, geschah etwas, dessen Tragweite ich noch nicht absehen konnte. In der oberen Berger Straße eröffnete in einem kleinen Fachwerkhäuschen, das zuvor einen Thai-Imbiss beherbergt hatte, ein Lokal. Klabunt stand draußen dran, sowie Satire und Schnaps. Es war Sommer und auf dem Gehweg davor standen zahlreiche Biergarnituren. Das war einladend, aber ich brauchte einige Wochen, um dort erstmals einzukehren. Mit meinem alten Schulfreund, der immer noch in Offenbach wohnte, verabredete ich ein Treffen in eben jenem Lokal. Es war ein sonniger Tag und wir setzten uns nach draußen. Ein großer, schwarz gekleideter und bleichgesichtiger Mann bediente uns. Später stellte sich heraus, dass es der Wirt war. Die Speisekarte bot Ungewöhnliches auf hessischer Basis. Wir bestellten beide ein Frankfurter Schnitzel. Es war köstlich und reichhaltig. Wohlgesättigt verlangten wir zum Abschluss nach Wodka. Den gab`s nicht, dafür aber einen herrlichen Obstbrand aus heimischen Gefilden. Wir waren überzeugt. Fortan ging ich öfter ins Klabunt, auch alleine. Der Name war ein Wortspiel aus Klabund, dem satirischen Dichter der zwanziger Jahre und der hessischen Fassung von klein und bunt, klaa un bunt. Ich setzte mich an einen ovalen Tisch neben dem Tresen, trank anfangs dunkles Bier und las. Irgendwann kam ich ich mit den Wirtsleuten ins Gespräch und das Bier wurde mir ungefragt hingestellt. Zu Fuß brauchte ich von der Seckbacher Landstraße etwa zehn Minuten. Das Klabunt veränderte mein Leben. Ich hatte eine Stammkneipe, auch wieder mit einem literarischen Namen.

Die Kneipe gehörte zum Umfeld der Titanic. Davon zeugten zahlreiche Cartoons, die die Wände zierten. Regelmäßig wurden Lesungen, vorwiegend aus dem humoristischen Genre, veranstaltet. Namhafte Satiriker, Autorinnen und Autoren fanden den Weg in den „Satirelandgasthof“ Klabunt. Längst war ich Stammgast, kannte die anderen Stammgäste und organisierte selbst drei Lesungen mit Autoren des Suhrkamp Verlags.

Trotz aller kulinarischen Raffinesse ist das Klabunt eine Kneipe geblieben. Am langen Tresen traf man auch noch nachts um zwei irgendwelche bekannten Gesichter. Vieles von dem, was mein jetziges Leben in Frankfurt ausmacht, hat seinen Ursprung in diesem Wirtshaus.

Ein langer Abschied

Meine Wochenendfahrten nach Berlin wurden weniger. Trotzdem wäre ich noch immer sofort wieder zurückgegangen, wenn sich eine Gelegenheit ergeben hätte. Als der Verlag in einer herrschaftlichen zweihundert Quadratmeter großen Wohnung in der Berliner Fasanenstraße eine Repräsentanz eröffnete, erkundigte ich mich, ob geplant sei, dort ein Büro zu eröffnen. Dem war nicht so, ich blieb.

Es schien, als sei erst jetzt, nach etwa sieben Jahren der Moment gekommen, mich endgültig in Frankfurt einzurichten. Meine Berlinfahrten wurden noch weniger. Im Jahr 2008 räumte ich die Wohnung in der Kopischstraße, in der ich seit 1985 gelebt hatte. Es war die schönste Wohnung, in der ich jemals gewohnt habe, in einer der schönsten Gegenden Berlins. Dennoch verließ ich sie ohne Wehmut. Für die endgültige Fahrt nach Frankfurt gönnte ich mir ein 1.Klasse Ticket. Good Bye Berlin.

Der Umzug

An einem Vormittag im Februar 2009 wurden den Suhrkamp-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Umzug des Verlags nach Berlin im Januar 2010 verkündet. Das hatte niemanden mehr überrascht, Gerüchte gab es schon länger. Außerdem stand die Meldung bereits eine Viertelstunde vor der Versammlung im Internet. Es ging sehr lebhaft zu im Sitzungszimmer. Für den Rest des Tages wurde nicht mehr viel gearbeitet. Wäre die Entscheidung drei Jahre früher gefallen, ich wäre mit wehenden Fahnen zurück nach Berlin gezogen. Jetzt hingegen war ich auf dem besten Weg, Frankfurter zu werden. Aber es blieb noch fast ein Jahr Zeit, da würde mir noch irgendwas einfallen. Es gab ja noch andere Verlage in Frankfurt. Aber meine Versuche, woanders unterzukommen, scheiterten. Es wurde Dezember, ich brauchte eine Wohnung in Berlin. In Prenzlauer Berg wurde ich dank Internet fündig. Ich schickte einen Kollegen zur Besichtigung, besuchte an diesem Tag einen alten Freund in Stuttgart. Dem Kollegen sagte die Wohnung zu, die Bilder, die ich gesehen, hatten mir gefallen. Die Miete hielt sich auch im Rahmen. Ich bekam die Wohnung, wurde bevorzugt, weil ich bei Suhrkamp arbeitete. Es gab unzählige weitere Bewerber. Der Umzugstermin kam bedrohlich näher und mir wurde immer mulmiger zu Mute. Grundsätzlich entschied ich lieber selbst, wenn ich umziehe. Meine umzugsfreudigen Eltern haben mir in Kinderjahren mit ihren vielen Ortswechseln keine Freude gemacht.

In den Büros wurde geräumt und gepackt. Auf den letzten Drücker suchte ich nach einem Ausweg. Der bot sich durch die Kooperation mit einem kleinen Frankfurter Verlag und Regionaliaproduzenten. Dass das keine gute Idee war, ist eine andere Geschichte.

Am 10. Januar 2010, genau zehn Jahre nach meinem ersten Arbeitstag im Suhrkamp Verlag, schrieb ich meine Kündigung zu Ende Februar. Die Wohnung in Prenzlauer Berg sagte ich ab. Ich war angekommen im „Weltkaff“ (Eva Demski), ich war Frankfurter.

Zu Fuß gehen

davMein Verkehrsmittel ist das Fahrrad. In der Stadt ist es allen anderen Fahrzeugen überlegen. Es ist schnell, leise, preiswert und hält fit. Einen Stellplatz wird man in der Regel finden, auch wenn man gelegentlich etwas suchen muss. Kurz: Radfahren ist sozial und ökologisch verträglicher Individualverkehr in Reinkultur, ganz im Gegensatz zum Autofahren. Um so unbegreiflicher ist es, dass Städte immer noch viel zu wenig unternehmen, um das Radfahren in der Stadt attraktiver und sicherer zu machen. Aber immerhin sind einige zaghafte Versuche in diese Richtung zu bemerken, wenn sie auch bei Weitem nicht ausreichen. Diese unbefriedigende Situation sorgt dafür, dass Fahrradfahren in der Stadt eines nicht ist: entspannend. Im Gegenteil, Radfahrer sind in jeder Situation gefordert, den Überblick zu behalten. Kleine Unachtsamkeiten können schwerwiegende Folgen haben, bis hin zum Tod. Durch die Natur zu radeln ist hingegen ein Vergnügen sondergleichen.

Von meiner Wohnung bis zur Nationalbibliothek, die ich regelmäßig aufsuche, brauche ich mit dem Rad ungefähr 13 Minuten. Das ist keine Entfernung, und doch bereitet mir diese kurze Strecke kein Vergnügen. Es geht, zumindest auf dem Hinweg, permanent leicht aber spürbar bergauf. Ich muss mich also ein wenig anstrengen. Und ich bin gefordert, auf den Verkehr zu achten. Wenn ich dann, nach zugegeben kurzer Fahrt, mein Ziel erreiche, bin ich, vor allem im Sommer, verschwitzt und nicht entspannt. An einigen dieser Bibliothekstage arbeite ich abends in einer Kneipe bei mir um die Ecke. Die erreiche ich von der Bibliothek aus mit dem Rad in zehn Minuten. Das ist mir eindeutig zu schnell, um zwischen diesen unterschiedlichen Welten zu pendeln. Da brauche ich einen Puffer. Gelegentlich bin ich so früh losgefahren, dass ich vor meiner Schicht noch ein paar Minuten durch die Gegend schlendern konnte. Das schuf dann wenigstens ein bißchen Distanz.

dav

Herbstlicher Günthersburgpark

Ich bin schon immer viel zu Fuß gegangen. Der donnerstägliche Gang zum Markt auf der Konstablerwache und auch wieder zurück, ist mir zu einem liebenswerten Ritual geworden, auf das ich nicht verzichten möchte. Samstags wiederhole ich das meistens auch. Fremde Städte erkunde ich bevorzugt per Pedes, ich habe kein Problem damit, stundenlang durch die Straßen zu ziehen und soviel Eindrücke wie möglich zu sammeln. Seit ich das Zufußgehen jedoch in meinen Alltag integriert habe, erreiche ich meinem Arbeitsplatz wesentlich entspannter. Auf dem Weg gehen mir irgendwelche Gedanken durch den Kopf und ich sehe Details, die mir auf dem Rad entgehen würden. Ich muss nicht ständig auf Autos achten oder Fußgänger, die gedankenlos Radwege kreuzen.

Statt dessen kann ich mich an herbstlich bunten Bäumen im Günthersburgpark erfreuen und den freundlichen Hund in der Nordendstraße begrüßen. Dort komme ich dann auch an dem legendären Lokal Größenwahn vorbei, dass seit beinahe vierzig Jahren die Frankfurter Gastronomie bereichert.dig

Nach stundenlangem Sitzen in der trockenen Luft der Bibliothek ist der Heimweg zu Fuß eine reine Wohltat. Zumal ich zwischen verschiedenen Wegen wählen kann. Ich gehe niemals den selben Weg zurück, den ich auch auf dem Hinweg genutzt habe.

Es bedurfte der Lektüre des empfehlenswerten kleinen Buches von Erling Kagge Gehen. Weiter gehen. Eine Anleitung, das 2018 im Insel Verlag erschienen ist. Der Autor berichtet u.a., wie er jeden Tag in Oslo zu Fuß zur Arbeit in seinen Verlag geht und was dieser morgendliche Gang für ihn bedeutet. Das hat mich überzeugt, es ihm gleich zu tun. Keine Ahnung, weshalb ich nicht von selbst auf diese Idee gekommen bin.

Aber jetzt ist es so und es ist gut so.

Donnerstags in Frankfurt

Mein liebster Wochentag ist der Donnerstag. Von den Vortagen stecken mir da drei meist anstrengende Kneipenschichten in den Knochen. In der ersten Januarwoche waren es sogar vier, vier harte Schichten. Ausnahmsweise habe ich am Sonntag gearbeitet. Am ersten Januar wird in der Kneipe immer ein Sauerkrautessen veranstaltet. Der Volksmund meint, man müsse an diesem Tag Sauerkraut essen, damit das Geld nicht ausgeht. Ich hab`s probiert und kann sagen, der Volksmund lügt. Egal, so fing das Jahr mit einer Elfeinhalb-Stundenschicht an. Der Donnerstag ist also sowas wie mein Wochenende, auch wenn ich arbeite, wie an den Folgetagen. Aber Donnerstags lass ich es gemächlich angehen. Nach dem späten Aufstehen erledige ich ein paar Dinge, Mails und so. Was halt anliegt. Gegen 15 Uhr mache ich mich dann auf den Weg zur Konstablerwache. Denn der Markt auf der Konstabler macht diesen Tag erst zu einem besonderen.

Ich spaziere dann durch die Stadt, versuche meinen Kopf frei zu bekommen und möglicherweise die eine oder andere Idee auszubrüten. Beim Gehen klappt das am besten. Fast immer laufe ich die Berger Straße stadteinwärts. Andere Wege führen auch in die Innenstadt, aber auf der Berger ist am meisten los und es gibt mehr zu sehen. Ich kann zwischen zwei Varianten wählen, den Spaziergang zu beginnen. Entweder ich gehe rechts, wenn ich aus dem Haus trete, oder links. Letzten Donnerstag bin ich nach rechts gegangen, vorbei an den Ernst-May-Häusern in der Wittelsbacherallee Richtung Saalburgallee. Dort passiert man das Lieblingswasserhäuschen von Jörg Fauser, der mal in der Wittelsbacher gewohnt hat. wasserhauschen Hinter der stark befahrenen Kreuzung schlage ich mich durch ruhige Nebenstraßen zur Berger. Ich komme am Uhrtürmchenplatz an und schaue erstmal ins Schaufenster meiner Lieblingsbuchhandlung, der Buchhandlung Schutt. uhrturmchenplatz1Die Berger zieht sich über vier Kilometer von der Innenstadt durch das Nordend und Bornheim bis nach Seckbach. Sie ist die Haupteinkaufsstraße der beiden Bezirke. Daher nehme ich auf meinem donnerstäglichen Spaziergang meist diese Route. Die Straße ist stets belebt und es gibt was zu sehen. Gegenüber der katholischen Kirche an der Ecke Eichwaldstraße hat im letzten Jahr ein hessischer Devotionalienladen eine neue Filiale eröffnet. Auf die Inhaber dieses Ladens habe ich mich vor einigen Jahren mal zu sehr verlassen. Es war der wahrscheinlich größte Fehler meines Lebens. Anfangs wechselte ich immer die Straßenseite, wenn ich dort vorbeiging, mittlerweile nicht mehr. Rechterhand folgt das seit Jahren verlassene Gebäude des Elektrokaufhauses Saturn, Frankfurter reden immer noch von „Saturn-Hansa“. So hieß das wohl mal vor vielen Jahren. Gegenüber des toten Gebäudes stehen seither einige Läden leer. Immer wieder rauschen neue Pläne und Gerüchte durch den Blätterwald, was aus der Immobilie werden soll. Passieren tut nichts und so steht der hässliche Klotz sinnlos in der Gegend rum und verschandelt das Stadtbild. Allerdings dient der ehemalige, überdachte Eingangsbereich einigen Obdachlosen als Schlafplatz. saturnAn der Kreuzung Höhen- und Berger Straße wurde im letzten Jahr eine Fußgängerin von einem Baustellenfahrzeug überfahren und tödlich verletzt. Der LKW war entgegen der Einbahnstraße zur Kreuzung gefahren und rechts in die Höhenstraße abgebogen. Das Opfer wollte bei Grün die Straße überqueren. Bis heute erinnern Blumen und Kerzen an den grausamen Unfall. Gegenüber der Unfallstelle wird jetzt ein seit Ewigkeiten brach liegendes Gelände bebaut. Der Entwurf des Hauses, der dort hängt, macht auf mich einen guten Eindruck. Es wird sich erfreulich von der heute so verbreiteten „Würfelhustenarchitektur“ unterscheiden. Warten wir ab, wie es in der Realität wirkt. baustelle-berger-hohen

Ab dieser Kreuzung beginnt die untere Berger Straße. Wir sind im Nordend. Vielleicht liegt es daran, dass sich die Straße fast zu einer reinen Fressmeile entwickelt hat. Klassische Einzelhandelsgeschäfte können sich die Mieten hier nicht mehr leisten. Cafés, Restaurants, Burgerläden, Sushi-, Waffel- und Pizzabuden wechseln sich ab. Fast im Wochenrythmus eröffnen neue Gastrobetriebe, die die kochfaule und solvente Anwohnerschaft vorm Hungertod bewahren wollen. Ich wundere mich immer, wer das alles essen soll. Auch Frankfurts berühmteste Curryanstalt hat sich dort mit einem Ableger niedergelassen, „Best Worscht in Town“. Sie ist berühmt für ihre Soßen, die in verschiedensten Schärfegraden angeboten wird. Wer die schärfste wählt, muss wahrscheinlich eine Erklärung unterschreiben, dass die Wurst mit der feurigen Soße freiwillig und bei voller geistiger Gesundheit verzehrt werden soll. Ich bestellte dort mal eine Currwurst „ohne Darm“. Daraufhin wurde ich unschwer als Berliner identifiziert, mein Wunsch konnte allerdings nicht erfüllt werden. Also nahm ich die übliche Wurst, die Soße mit Schärfegrad C, was mir auch eine Warnung einbrachte. Ob ich die schonmal gegessen hätte?

Weiter geht`s stadteinwärts, vorbei am Merianplatz mit dem hässlichen Brunnen, der aussieht wie irgendwas aus einem Automotor. Jetzt ist es nicht mehr weit zum Anlagenring, der der ehemaligen Stadbefestigung folgt. Vorher bleibe ich bei der Buchhandlung Y mit dem kleinen Café stehen und durchstöbere die Ramschkisten vor dem Laden. Kurz dahinter der schöne, wie aus der Zeit gefallene Gemüseladen, der auch leckere Suppen anbietet. Jedesmal nehme ich mir vor, mal eine zu probieren. Jedoch nicht am Donnerstag, denn da bin ich auf dem Weg zum Erzeugermarkt auf der Konstablerwache. Und dort warten andere Köstlichkeiten auf mich. Am Ende der Berger findet sich dann rechterhand der Bethmannpark, eine innerstädische Oase mit dem Chinesischen Garten. Einige Enten spazierten über den zugefrorenen Weiher. bethmannpark

An diesem Donnerstag jedoch macht der Markt einen recht gerupften Eindruck. Viele Besucher, mich eingeschlossen, irrten orientierungslos über den Platz, auf der Suche nach den gewohnten Anlaufstellen. Doch viele Erzeuger sind an diesem Tag zuhause geblieben, machten wohl eine Woche Urlaub nach den Weihnachtstagen. Mein erster Blick auf dem Markt gilt immer dem Stand des Obsthofs Sattler, der den besten Apfelwein ausschenkt, den ich kenne. Gelegentlich treffe ich dort Andeas Maier. Aber der Platz war verwaist, kein Sattler, kein Maier. konstablerDer benachbarte Platz, an dem sonst der Bauer Stranz seine Buden aufbaut war ebenso leer, wie viele andere an diesem Donnerstag. Ich wusste also im ersten Moment nicht, wo ich was essen sollte und wo meinen Schoppen trinken. Also besorgte ich mir woanders eine Kartoffelbratwurst und steuerte einen weiteren Stand an, der heißen Apfelwein anbot. Beides war lecker. bratwurstDennoch blieb ein leicht leeres Gefühl, als ich meine Schritte wieder Richtung Bornheim lenkte. Wie meist wollte ich auf dem Heimweg an einem Lieblingsort vorbeischauen und dort einen Kaffee trinken, dem Wasserhäuschen Fein am Anlagenring. Dieses ehemalige, klassische Wasserhäuschen mit den typischen Bindingtrinkern wurde im vorletzten Jahr von einer sehr engagierten und phantasievollen Frankfurterin übernommen und überaus liebevoll hergerichtet. Es gibt dort guten Kaffee, Kuchen, allerlei anderen Süßkram, auch Wein, Apfelwein und selbstverständlich auch Bier. Der Platz rund um den Kiosk ist immer liebevoll möbliert. Ein Kleinod, das zum Verweilen einlädt. Allerdings nicht am letzten Donnerstag. „Ferien bis 8. Januar“ verkündete ein Zettel an der geschlossenen Jalousie. Jetzt freu ich mich auf den nächsten Donnerstag.fein

Ein schöner Tag

Es war Donnerstag und die Sonne schien. Ich verließ Schreibtisch und Laptop, zog bequeme Schuhe an und und begab mich auf einen ausgedehnten Spaziergang in Richtung Innenstadt. Das mache ich regelmäßig, meistens Donnerstags, gelegentlich auch am Samstag. Dann nämlich traue ich mich, die Konstablerwache zu betreten, diesen Vorhof zur Hölle, auch Zeil genannt. Es gibt Frankfurter, die stolz darauf sind, seit Jahren nicht mehr in der Frankfurter Innenstadt gewesen zu sein. Sie verweilen lieber in ihren Quartieren, im Gallus etwa oder in Ginnheim. Ich kann es verstehen auch wenn ich mich nicht dazu zähle. Aber fangen wir oben an.

Klabunt.

Klabunt.

Ich gehe die Berger Straße stadteinwärts, diese Einkauf- und Vergnügungstraße, die zur Zeit einen Umbruch erlebt. Nachdem der Elektrogroßmarkt den Standort aufgegeben hat – das Haus wird abgerissen – und das benachbarte Billigkaufhaus ebenfalls schließt, wächst der Leerstand an der Berger. Aber es geht schon in Bornheim Mitte los. Linkerhand steht noch die Kultgasttätte Klabunt, die aber mittlerweile geschlossen ist. Am 30. März war Schluß. Bald kommt die Abrissbirne und macht dem mittlerweile weit über die Stadtgrenze hinaus bekannten Lokal den Garaus. Es soll für etwas weichen, daß die Frankfurter Neue Presse „Quartiersparkhaus mit Einkaufsmarkt und Wohnungen“ nennt. Die Bauaufsicht spricht von 29 Wohnungen, einer Einkaufsfläche und einer Tiefgarage. Wie auch immer, es muß mit dem Schlimmsten gerechnet werden. Vor einigen Jahren ist ein Versuch gescheitert, das kleine Gebäude unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Allerdings hat Denkmalschutz noch nie allzuviel bewirkt im Konflikt mit Investoreninteressen, wie das Zürich-Haus an der Bockenheimer Landstraße beweist. Nach Eigentümerklagen wurde dem Gebäude, dem ersten Hochhaus in Frankfurt, der Status eines Kulturdenkmals wieder entzogen. Daraufhin konnte es abgerissen werden.

Die Berger Straße ist in diesem oberen Abschnitt so eng, daß man sich wundert, daß dort überhaupt Autos fahren dürfen. Das geht zu Lasten der Fußgänger, die auf den engen Gehwegen nur mühsam voran kommen.

Ich gehe trotzdem weiter.

Die Blasenteebude zur Linken hat nicht lange durchgehalten. Wie eine Seifenblase geplatzt ist der Bubble-Tea-Boom – und das macht ja ein wenig Hoffnung. Diese wird allerdings durch immer mehr leerstehende Läden gedämpft. Noch vor wenigen Jahren war es fast unmöglich, auf der Berger Straße einen Laden zu bezahlbaren Konditionen zu mieten. Das dürfte sich jetzt geändert haben. Und es wird wahrscheinlich noch schlimmer. Rechterhand lockt das Billigkaufhaus mit Ausverkaufrabatten. Das Haus soll einem Neubau weichen,
wahrscheinlich einer Quartiersgarage mit Einkaufsmarkt und Wohnungen. Dasselbe gilt für das weiter stadteinwärts gelegene Gebäude in dem der Elektronikhändler untergebracht war. Es werden hochwertige Wohnungen für die Bediensteten der nahegelegenen Europäischen Zentralbank gebraucht.

Südlich der Höhenstraße wird es vorwiegend gastronomisch und vegan. Ein veganes Restaurant ist im Bau, ein veganer Muffinladen bereits eröffnet. Überhaupt ist die Berger Straße ein Paradies für Veganer. Im oberen Teil ergänzen ein Supermarkt und ein veganer Metzger das Angebot. Unweit, an der Seckbacher Landstraße und der Dörtelweiler Straße haben vor kurzem in direkter Nachbarschaft zwei vegane Restaurants eröffnet. Es heißt abzuwarten, ob all diesen Läden das Schicksal der Bubble-Tea-Bude erspart bleibt.

Merianplatz

Merianplatz

Ich erreiche den Merianplatz und da steht dann dieses Ding. Auf den ersten Blick erschließt sich sein Zweck nicht. Das Ding sieht aus wie ein – ja was? Ein Zylinder, ein Kolben, irgendwas aus einem Automotor, nur viel größer. Aber ich habe keine Ahnung, kenne mich nicht aus mit Automotoren. Beim Näherkommen erkennt man Wasser, das träge und lustlos die glatte Edelstahlhaut hinabrinnt. Oben stehen Tauben und nehmen ein Fußbad. Aha, ein Brunnen. Frankfurt ist kein guter Ort für Kunst im öffentlichen Raum.

Weiter geht`s zur Konstablerwache. Wie gesagt, es ist Donnerstag, also Markttag. Nur an diesen Tagen, Donnerstag und Samstag, ist die Konstablerwache erträglich. Dann wird das öde Plateau verdeckt von bunten Marktständen, die allerlei regionale Köstlichkeiten feilbieten. Ich esse eine Bio-Bratwurst aus der Rhön und trinke einen Schoppen. Derweil spuckt die Zeil fröhliche junge Menschen, bepackt mit braunen Papiertaschen voller Billigklamotten, die sie dort zusammengerafft haben, auf die Konstabler. Auf der Kurt-Schumacher-Straße rauscht vierspurig der Verkehr vorbei.

Gestärkt setze ich meinen Weg fort, es zieht mich zum Main. Am Römerberg, dieser Fotokulisse, wird geheiratet, musiziert, geschaustellert und salzgesäult. Touristen fotografieren. In zwei Jahren finden die Besucher unweit weitere Fotomotive, die an eine historische Altstadt erinnern sollen. Zwischen Schirn und Braubachstraße wächst ein Neubaugebiet aus dem Boden, das die Frankfurter Altstadt, die 1944 bei einem Bombenangriff zerstört wurde, möglichst originalgetreu rekonstruieren soll. Das sogenannte Stadthaus, von dem niemand weiß, für was es gut sein soll, erhebt schon seine massive Gestalt und läßt vom Dom nurmehr die Turmspitze sehen. Zur Schirn bleibt ein schmaler, dunkler Durchgang. Die Touristen wird es nicht stören.

Der Eiserne Steg trägt schwer an tausenden von sogenannten Liebesschlössern, diesem Unfug, der sich überall breitmacht und niemanden so erfreut wie die Schlosser-Innung. Würden sich all diese Liebesbeweise selbsttätig öffnen und in den Main versenken, wenn die ewige Liebe doch nicht so ewig war, dann wäre das Frankfurter Wahrzeichen weniger entstellt. Die Passanten scheint das nicht zu stören, es wird auf Teufel komm raus musiziert, fotografiert und geknutscht. Eine Zwanzigjährige nutzt den Aufzug um sich das Treppensteigen zu ersparen.

Ich nehme die Treppe und spaziere am Sachsenhäuser Ufer entlang in Richtung Maincafé. Zum Glück ist Donnerstag. An schönen Wochenenden trifft sich hier ganz Frankfurt – dann wimmelt es von Radlern, Joggern, Skatern, Spaziergängern und Hunden und ein Durchkommen wird fast unmöglich. An solchen Tagen gilt es das Mainufer zu meiden. Aber es ist Werktag und so finde ich einen Sitzplatz im Maincafé, diesem vielleicht schönsten Ort der Stadt. Ich trinke einen Kaffee und schaue der Skyline beim Wachsen zu. Östlich der Untermainbrücke, in allerbester Gegend mitten in der Stadt, entsteht ein Luxusquartier, gekrönt von einem Sechzigmeterturm und sicherlich unterkellert mit einem Quartiersparkhaus für die SUVs der künftigen Bewohner. Auf einen Einkaufsmarkt wird verzichtet.

Ausgeruht mache ich mich auf den Heimweg.

Das Klabunt ist zu

Am Sonntag war es also soweit, das Klabunt sagte tschö. Nach neun Jahren muß die Kultkneipe für etwas weichen, das die Frankfurter Neue Presse „Quartiersparkhaus mit Einkaufsmarkt und Wohnungen“ nennt. Investor Gaumer hingegen hält sich bedeckt was seine Pläne für das Gelände angeht und die Bauaufsicht spricht von 29 Wohneinheiten, einer großen Einzelhandelsfläche und einem Parkhaus. Wenn es irgendwas gibt, an dem in Bornheim kein Mangel herrscht, dann sind es Supermärkte, egal ob konventionell, bio oder vegan. In unmittelbarer Nähe der künftigen „Quartiersgarage“ finden sich allein derer drei. Was auch immer dort gebaut wird, es darf getrost mit dem Schlimmsten gerechnet werden.
Seit zwei Jahren schon hing dieses Damoklesschwert über dem Lokal. Das Klabunt bewegte sich auf unsicherem Terrain, ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen.
Der Satirelandgasthof (Eigenbeschreibung) war mehr als eine Kneipe, er war eine kulturell-kulinarische Institution – bekannt weit über Frankfurts Grenzen hinaus – vielen auch Heimat und Wohnzimmer. Es gibt Menschen, die behaupten, alles was sie in Frankfurt kennen würden, hätten sie dem Klabunt zu verdanken. Ich zum Beispiel.
Als ich im Januar 2000 aus Berlin nach Frankfurt kam, kannte ich nur wenige Leute, sie wohnten in Offenbach. Dort wohnte ich auch während der ersten drei Monate. Als ich eine Wohnung in Bornheim fand, erkundete ich die Gegend auf der Suche nach einem Lokal, das ich zu meiner Stammkneipe machen könnte. Ich probierte einige aus, auch im Nordend – und fand keine. In Kreuzberg hatte ich immer eine Stammkneipe. Solche Kneipen müssen fußläufig erreichbar sein, ein vernünftiges Preisleistungsverhältnis haben, die Musik darf nicht nerven und vorallem müssen Personal und Publikum nett sein. Man geht dort hin, in der Gewissheit irgend jemand zu treffen, den man kennt, und man geht dort hin, wenn man mal pleite ist und anschreiben lassen kann. Stammkneipen sind unerläßlich um sich irgendwo wohlzufühlen, ein Stück Heimat eben. Das fehlte mir während meiner ersten Jahre in Frankfurt.
Bis im Jahre 2005 das Klabunt eröffnete. Zirka zwei Wochen nach der Eröffnung war ich mit einem Freund erstmals da. Es war ein schöner Sommertag, wir setzten uns draußen an einen Biertisch. Das Essen war reichlich und lecker, das Bier schmeckte auch. Wir waren sehr satt und verlangten zur Verdauung Wodka. Wodka sei nicht im Angebot, sagte der Wirt, er würde uns was anderes bringen, wir sollten gespannt sein. Er brachte, wie konnte es anders sein, Haselnussgeist von Dirker und noch was anderes, Himbeerbrand wahrscheinlich. Beides war köstlich. Der Haselnussgeist hat sich dann auch zum absoluten Bestseller des Klabunt entwickelt. Manche gingen dort nur hin um diesen Schnaps zu trinken. An diesem Abend war meine Suche nach einer Stammkneipe beendet.
Es dauerte nicht lange und man begrüßte sich mit Namen. Auch kam man schnell mit anderen Gästen in Kontakt, aus einigen sind Freunde geworden.
Und dann gab es noch die regelmäßigen Satirelesungen aus dem Umfeld der Titanic und darüber hinaus. Einige der Autoren, die im Klabunt gelesen haben, kamen am Sonntag um sich von Christa Brill, Andreas Kramer und ihrem Klabunt zu verabschieden – Eckard Henscheid, Oliver Maria Schmitt, Leo Fischer, Pit Knorr, Tilman Birr, Elis, Mark-Stefan Tietze, um nur ein paar zu nennen.
Zu der einen oder anderen Veranstaltungen konnte ich organisatorisch beitragen, so bei einer Lesung mit Wolfram Koch, der aus Magnus Mills „Die Herren der Zäune“ las, einem meiner Lieblingsbücher. Später folgten dann Abende mit Detlef Kuhlbrodt, Wolfgang Welt und Andreas Maier.
Am letzten Abend war es natürlich nochmal sehr voll, manche der Gäste waren wohl auch zum ersten Mal da. Sehr schnell war die Küche ausverkauft, dann war der Haselnussgeist und der Apfelwein alle, bald darauf auch das Schlappeseppel. Dann wurde halt getrunken, was noch da war.
Jetzt ist es vorbei. Und doch gibt es keinen Grund zur Trauer. Der neue Ort ist bereits gefunden. Dort wird renoviert und im Mai soll die Eröffnung sein. Und bis es soweit ist, gehen wir halt woanders unseren Schoppen trinken.

Nachtrag: Der Name der Gaststätte sorgte stets für Verwirrung, nicht zuletzt wegen der eigenwilligen Typographie. Er war einerseits ein Wortspiel aus KLAA und BUNT – was das Lokal trefflich charakterisierte – sowie eine Hommage an den Satiriker und Zeitgenossen Tucholskys, Klabund. An das „d“ in des Autors Synonym erinnerte ein kleiner Kringel im „t“ des Kneipennamens, wie am Außentransparent zu sehen war. Das führte zu allerlei Verwirrung bezüglich Aussprache und korrekter Schreibweise. Da wurde schon mal vom „Klabunat“ gesprochen oder „Klabundt“ und „Klabund“ geschrieben. Richtig ist und war: KLABUNT.

 

 

 

17. Feb. 2014

Es gibt diese Tage, an denen nichts gelingen will. Heute ist so ein Tag. Nichts von dem, was ich mir vorgenommen hatte, ist erledigt. Alles was ich heute geschafft habe, ist eine Pinterest-Seite für einen Verlag anzulegen und dort ein paar Pinwände einzurichten. Diese sind freilich noch nicht bestückt. Natürlich hat es unerwartete und unerklärliche Schwierigkeiten beim Einrichten der Seite gegeben. Sowas passiert an solchen Tagen. Es war nicht das erste Mal, daß ich eine Pinterest-Seite angelegt habe, aber so kompliziert war es noch nie.

Bauplatz an der Berger Straße

Bauplatz an der Berger Straße

Die Bagger kommen dem Klabunt in der Berger Straße immer näher. Das marode Gebäude auf dem Nachbargrundstück ist schon so gut wie abgerissen und es wird wohl nicht mehr lange dauern bis die Abrissbirne dem legendären Lokal auf die Pelle rückt. Angekündigt ist das allerdings schon seit zweidrei Jahren. Dann kommt auf das Gelände eine schicke Tiefgarage (auf daß es zu noch mehr Verkehr in Bornheim kommt), obendrauf ein Einkaufszentrum (wahrscheinlich mit den üblichen Verdächtigen Starbucks, HM, McDonalds etc. Was halt in so einem Einkaufszentrum in der Regel zu finden ist). Gekrönt wird das Ganze dann mit schicken Apartements. Also lauter Zeug, das wir in Bornheim dringend brauchen. Der Eigentümer und Bauherr ist der stadtweit bekannte Investor Heinrich Gaumer, der über Jahre einen Neubau an Stelle des ehemaligen Kaufhofs in der Leipziger Straße in Bockenheim leerstehen ließ.

Immerhin das Wetter war schön heute. Ich hätte laufen sollen, aber nicht mal dazu hat es gereicht. Wie gut, daß solche Tage auch vorbei gehen.

Gaststätte Weida – Im blauen Bock

Abschiedskarte1

Collage von Gerhard Pauly

Oft bin ich vorbeigefahren an diesem schmucklosen Platz im Frankfurter Stadtteil Bornheim. Längst stillgelegte Straßenbahnschienen und vielbefahrene Straßen machten aus der Kreuzung Saalburg-, Heide- und Neebstraße einen ungastlichen Ort. Auch das an der Saalburgstraße gelegene Lokal erweckte nicht den Eindruck, als sei es noch bewirtet. „Gaststätte Weida – Im Blauen Bock“ stand über der Eingangstür geschrieben. Graffiti zierte die Wände und Butzenscheiben verwehrten den Blick ins Innere des Wirtshauses.

Das schöne Buch „Beim Apfelwein“ (B3 Verlag, Frankfurt, 2008) verstärkte meine Zweifel. Der Autor Michael Tetzlaff schildert dort seine fünf vergeblichen Versuche, der „Gaststätte Weida“ einen Besuch abzustatten. Und doch schien es sicher, dass die Weida tatsächlich meistens geöffnet hatte und ihre Gäste bewirtete. Gerüchte machten die Runde, Gerüchte von der eigenwilligen Wirtin, die ihre Gäste nach Sympathie behandelte und den üblichen gastronomischen Gepflogenheiten so gar nicht zu folgen bereit war. Fremde könnten es dort schon mal schwer haben. Gleichzeitig wurde die Qualität der Küche gelobt.

Eines Tages lernte ich am Tresen der unweit gelegenen Gaststätte Klabunt den Herrn K. kennen. Der Herr K. war jemand, der tatsächlich in der Weida verkehrte und dort als der „Herr Micha“ bekannt war. Er lobte die Küche überschwänglich. Ich bat ihn, mich mal mitzunehmen in das mysteriöse Lokal, allein würde ich mich nicht reintrauen. Wir beschlossen das demnächst zu tun.

Die Kreuzung war mittlerweile zu einem tristen und namenlosen Platz umgestaltet, mit viel Beton, einigen Bänken und einer Handvoll Bäume, als ich erstmals die „Gaststätte Weida – Im Blauen Bock“ betrat. Ich wähnte mich umgehend in einem Museum, einem Kneipenmuseum. Hier zeigte sich jahrzehntelange Apfelweintradition, in den Bildern an der Wand, in dem Nippes, der überall herumstand, der absurden Ansammlung von Kleiderhacken an den holzgetäfelten Wänden. Die Deckenlampen waren von rustikaler Scheußlichkeit. Zusammengehalten wurde dieses volkstümliche Sammelsurium von der Wirtin.

Frau Wolf war eine stattliche Frau in weißer Kittelschürze, das üppige, rotgefärbte Haupthaar zu einem Dutt gewölbt, auf dem bei Bedarf auch die Brille stabilen Halt fand. Der Empfang des neuen Gastes war freundlich, wohl weil der „Herr Micha“ ihn begleitete. Es wurde Apfelwein bestellt, den ich nicht vertrug. Fürderhin blieb ich beim Bier. Das ging so lange gut, bis mir Frau Wolf bei einem meiner zahlreichen späteren Besuche ungefragt einen Bembel hinstellte. Widerstand war zwecklos und seitdem vertrug ich das Weida`sche Stöffsche auch. In der Weida wurde gegessen und getrunken, was auf den Tisch kam, und das war nicht unbedingt immer das, was man bestellt hatte. Auch musste der Gast Zeit mitbringen, wenn er die Weida besuchte. Frau Wolf ließ es sich nie nehmen, auf einen Plausch bei den Gästen Platz zu nehmen und den einen oder anderen Witz zu erzählen. Da musste manche Bestellung schon mal warten.

Die Speisekarte offenbarte keine Überraschungen. Deftige Hausmannskost war im Angebot, meistens mit Fleisch oder Wurst, Grüne Soße in allen Variationen. Vegetarier hatten es hier schwer, obwohl auch für Fleischverweigerer etwas zu finden war. Ich habe mich im Laufe der Zeit durch die Speisekarte gegessen. Alles war köstlich und der Spruch „Wie bei Muttern“ sollte geändert werden in „Wie in der Weida“. Der gelernte Metzgermeister Günter Wolf stand in der Küche und bereitete diese Köstlichkeiten zu. Es hieß, früher hätte er auch noch selbst geschlachtet.

Viele Geschichten und Anekdoten ranken sich um die Weida, die des weißen Frotteebademantels etwa. In der Herrentoilette stand eine Kleiderstange mit vielen Bügeln. Auf einem dieser Bügel hing ein weißer Frotteebademantel. Auf die Frage, woher dieser stamme, bekam man die Antwort, den hätte vor vielen Jahren ein Gast vergessen. Seitdem hing dieses Relikt auf der Kleiderstange in der Weida`schen Herrentoilette, wurde auch regelmäßig gewaschen. Eines Tages jedoch, es ist noch nicht allzu lange her, hing der Bademantel nicht mehr an seinem angestammten Platz. Auf Anfrage erzählte Frau Wolf die Geschichte einer Gruppe ihr unbekannter Männer, eines Junggesellensabschieds, die über das „Innernet“ („mir habbe des ja net“) in die Weida gefunden hätte. Es wurde ordentlich gegessen und getrunken, bis jemand aus der Gruppe – es konnte nicht ausbleiben – in den Bademantel gekleidet, von der Toilette zurück kam. Er bot € 100,- für das gute Stück. Das wollte die Frau Wolf dann aber doch nicht annehmen. Schließlich hätte die Gruppe die Zeche dann auf den nächsten Hunderter aufgerundet und durfte das Frotteesouvenir mitnehmen. So ging dieses unscheinbare Stück Weida`scher Geschichte für ca. € 39,20 über den Tresen. Es war, als hätte man die Quadriga vom Brandenburger Tor geschraubt.

Vielleicht war der Verkauf des Bademantels aber auch schon ein kleiner Schritt in Richtung Abschied. Vor über fünfzig Jahren hat Brigitte Wolf erstmals in der Gaststätte ihrer Eltern mitgeholfen, später dann mit Ihrem Ehemann Günter Wolf die „Gaststätte Weida – Im Blauen Bock“ geführt und damit ein Stück Frankfurter Gastronomiegeschichte geschrieben. Manch einer der weißhaarigen Gäste hat über all diese Jahre seinen Schoppen bei den Wolfs getrunken.

Ende Juli waren die Stammgäste geladen, um an zwei Abenden Abschied von den Wirtsleuten und ihrer „Gaststätte Weida – Im blauen Bock“ zu nehmen. Für lächerliche zwölf Euro durfte man trinken und essen was die Küche noch hergab. Zum Schluss wurden Autogramme verteilt.

Der Abschied verlief ohne Wehmut. Die Wolfs haben einen Nachfolger gefunden, der den Charakter der Weida nicht verändern will. Angesichts der sich überall epidemisch ausbreitenden Läden, die kalten Fisch, gefrorenen Joghurt oder Blasentee feilbieten, hat er einen wichtigen Job zu erledigen. Viel Glück!

Und dem Ehepaar Wolf kann man nur danken für fünfzig Jahre „Gaststätte Weida – Im blauen Bock“ und noch schöne, erfüllte und stressfreie Jahre wünschen.