4. Seckbacher Eppelweinkontest

Es herrschte Ausgehwetter zum 4. Seckbacher Eppelweinkontest (über die Schreibweise „Eppelwein“ lässt sich streiten). Ein sonniger Tag, nicht zu heiß. Und so zogen viele Freundinnen und Freunde des güldenen Frankfurter Nationalgetränks zum Vereinsheim der FG Seckbach im Frankfurter Osten. Sie wollten eine Tradition feiern, die in Frankfurt leider fast ausgestorben ist, das Keltern von Apfelwein. Über Jahrzehnte war es selbstverständlich, dass Apfelweinwirte ihren Schoppen selbst herstellten. Davon kann inzwischen keine Rede mehr sein. Die meisten Frankfurter Apfelweinwirtschaften beziehen jetzt ihr „Stöffche“ von auswärtigen Keltereien aus dem Odenwald, der Wetterau oder dem Spessart. Nur eine Handvoll der Frankfurter Wirtsleute pflegt noch diese Tradition, aber auch die müssen oft noch zukaufen, weil der eigene Ertrag nicht ausreicht. Immerhin, ein waschechter Apfelweinwirt und Kelterer hatte sich eingefunden und stellte die Früchte seiner Arbeit zur Wahl. Er wurde Dritter. Ansonsten waren Hobbykelterer aufgerufen, ihre eigenen Schoppenkreationen anonym einem fachkundigen Publikum zu präsentieren und bewerten zu lassen. Den Sieger, die Siegerin, erwartete eine goldene Krone aus Pappe und der Titel der neuen Seckbacher Apfelweinkönigin, bzw des Königs. Da das Selbstkeltern eine rein männliche Domäne zu sein scheint, stand von Anfang an fest, dass es sich beim neuen, wie auch beim alten, um einen König handeln wird.

Veranstaltet wird die ganze Angelegenheit unter anderem von Apfelweinenthusiasten, die als Seckbacher Pressung antreten, und in schöner Regelmäßigkeit den letzten Platz belegen, so auch dieses Mal. Das hält sie jedoch nicht davon ab, immer wieder aufs Neue ihren rauen Schoppen vorzustellen und vor allem diese liebenswerte Veranstaltung zu organisieren. Wie stets sorgten auch bei der 4. Ausgabe zwei DJs für die angemessene musikalische Untermalung und ließen Punk-, Rockabilly- und Soulklänge über den Seckbacher Sportplatz erschallen. Zum Einsatz kamen ausschließlich Vinyl-Singles. Auch hier zeigte sich also die Liebe zum Detail und zur Handarbeit. Einige tanzten.

Der diesjährige Zuspruch war beeindruckend, 19 Teilnehmer hatten sich gemeldet und die vorgeschriebenen zehn Liter ihres Apfelweins mitgebracht. Diese Proben landen in nummerierten Bembeln, die in Reih und Glied an der Probiertheke aufgereiht stehen. Vor den Bembeln platziert ist jeweils eine Dose mit der entsprechenden Nummer. Dort werden, nachdem alles gekostet ist, die Unterlegscheiben, die zum Eintritt (€ 4,- plus ein Euro Pfand fürs Glas) in einem kleinen Tütchen überreicht werden, entsprechend der Wertung eingeworfen. Außerdem erhält jeder eine Liste und einen Kugelschreiber, um die einzelnen Proben zu bewerten. Bei 19 unterschiedlichen Schoppen kann schnell der Überblick verloren gehen.

Das Gedränge an der Theke war groß, gelegentlich kamen Ellenbogen zum Einsatz, um an den Probeschluck zu gelangen. Kennerhaft wurden Geruch und Farbe begutachtet, nicht zuletzt natürlich der Geschmack. Es war ein harter Parcours, der das Publikum vor große Herausforderungen stellte. Einige der Tropfen kratzten an der Schmerzgrenze und sorgten für verzogene Mundwinkel und verdrehte Augen. Die bereitgestellten Eimer füllten sich zusehends. Zur Neutralisierung der Geschmacksnerven standen Brotwürfel bereit.

Probiertheke

Weil es sich mit leerem Magen schlecht testen lässt, sorgte ein Grill für die standesgemäße Versorgung mit Brat- und Rindswürsten, an der Kuchentheke gab`s Selbstgebackenes und natürlich durfte auch der Handkäs nicht fehlen. Wer von den Proben noch nicht genug hatte, griff zum unvermeidlichen Mispelchen. Bekannte wurden begrüßt, die jeweiligen Favoriten empfohlen und vor anderen gewarnt. Einmal die Frage, woher kenne ich dich? Es war schnell aufgeklärt, aus der Kneipe beim Apfelwein. Wo sonst? Ein buntes Völkchen hatte sich dort am Rande des Sportplatzes zusammengefunden. Junge, Alte, Tätowierte, Nichttätowierte, Rentner und Rock `n Roller. T-Shirts zeugten von der Liebe zur Eintracht, zu Metalbands, zur Stadt oder auch zum Apfelwein. Eine Besucherin trug ein Kleid mit Apfelmuster. Auf dem Sportplatz kickte ein Vater mit seinem Sohn. Es herrschte ausgelassene, sommerfrische Stimmung und im Mittelpunkt stand der Apfelwein.

Die Dosen werden unter der Aufsicht des Moderators vom letztjährigen Seckbacher Apfelweinkönig gewogen

Irgendwann hatte man sich durchgekämpft, alle 19 Proben verkostet und entsprechende Notizen gemacht. Die fünf bis sechs Schoppen, die in der engeren Wahl standen, sollten nochmals begutachtet werden, aber, siehe da, fast alle Bembel standen auf dem Kopf. Ausgetrunken. Mehr als die zehn Liter gab`s nicht. Die wenigen Proben, die jetzt noch übrig waren, wollte man dann vorsichtshalber nicht mehr testen. Also wurden die Unterlegscheiben gemäß den Notizen, sofern diese lesbar waren, in unterschiedlicher Gewichtung in den Dosen versenkt. Ein vierköpfiger Seckbacher Männerchor sang Apfelweinlieder und stimmte das Volk aufs große Finale ein. Dann wurde gewogen. Je schwerer die Dose, desto höher die Platzierung. Als die Sieger ermittelt waren, wurden sie vom letzten Seckbacher Apfelweinkönig gekrönt und erhielten einen hölzernen Teller mit entsprechender Widmung für die heimische Vitrine. Zum Schluss sangen alle das Lied der Frau Rauscher aus der Klappergass und vom Blauen Bock beim Äppelwein. Wie schon berichtet, belegte die Seckbacher Pressung den letzten Platz. Es bleibt zu hoffen, dass sie das nicht entmutigt im nächsten Jahr zum 5. Seckbacher Eppelweinkontest laden.

Die glücklichen Sieger
Werbeanzeigen

2 Gedanken zu „4. Seckbacher Eppelweinkontest

  1. An die Schreiberlinge: Es fehlt der Zusatz: Wir werden immer auf dem letzten Platz landen
    weil unser Äppelwoi ist naturrein, nicht geschönt,nicht geschwefelt, ohne Zucker oder Honig
    teilweise obergärig gekeltert. Die Äpfel handverlesen, Faulstellen sorgfälltig entfernt, kurz:
    ein echter harter Äppler durch und durch, und, uns schmeckt er.
    Ihne ihrn Heinz Göppner Mitglied der Gruppe Seckbacher Pressungenzolelia@aol.com

    • Danke für den Kommentar. Zwei Anmerkungen möchte ich mir erlauben: 1. Es war nur ein „Schreiberling“, nämlich ich. 2. Ihr macht sicherlich keinen „Äppler“,denn der kommt nur aus Rödelheim. Es gab in Seckbach keinen einzigen „Äppler“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.