Weshalb ich Burgenblogger werden will

Der Rhein rauschte prächtig funkelnd in der Morgensonne zwischen den Bergen hin.

Joseph von Eichendorff

Wir lebten in Frankfurt am Main. Die Großeltern wohnten in Köln am Rhein, später dann in der Nähe von Bonn. Ich habe viel Zeit bei ihnen verbracht. Oft fuhren wir mit dem Opel Rekord meines Großvaters von Köln nach Frankfurt, später dann mit dem 190er Diesel. Oder in der Gegenrichtung mit dem Käfer meiner Eltern, später dann mit dem Opel Kadett. Egal mit welchem Auto oder in welcher Richtung, die Strecke blieb die selbe – das Rheintal.

Dieses eng gewundene Tal mit seinen Burgen und Weinbergen hat mich als Kind fasziniert und meine Phantasie beflügelt. So ist diese Landschaft Teil meiner Kindheit und Namen wie Bingener Mäuseturm oder Loreley haben noch heute einen geheimnisvollen Klang.

Irgendwann malte ich aus der Erinnerung das Tal mit Wasserfarben und einer gehörigen Portion kindlicher Naivität. Dieses Bild schenkte ich meinen Großeltern zu Weihnachten. Sie rahmten es und gaben ihm einen Platz an der Wohnzimmerwand. Mittlerweile ist es verschollen, aber ich habe es noch sehr genau vor Augen. Als Burgenblogger  werde ich das Tal und seine Menschen sicher nicht mit Farbe und Pinsel dokumentieren sondern mit Handy und Digitalkamera. Aber dazu später.

Das Rheintal war die erste Transitstrecke meines Lebens – eben von Frankfurt nach Köln/Bonn und retour. Eine Transitstrecke ist der Rhein heute noch und wird es auch bleiben. Es ist der auffallende Gegensatz des Mittelrheins – einerseits Kulturlandschaft und Weltkulturerbe, berühmtes Weinbaugebiet und Touristenziel, andererseits vielbefahrener Verkehrsweg zu Wasser und auf der Schiene. Interessant ist wie sich diese Gegensätze in den Menschen und der Landschaft spiegeln. Ich muß aber gestehen nicht allzu viel Ahnung von dem Landstrich zu haben. Was gibt es dort sonst außer Burgen, Weinbau, Tourismus, Fluss und Verkehr? Ist das Tal auch ein Industriestandort? Welche Industrie? Entsteht dort Musik, Literatur – welche Künstler leben dort? Das sind Fragen, die mich beschäftigen, je länger ich über die Aufgaben des Burgenbloggers nachdenke. Es sind spannende Fragen.

Später dann, im Erwachsenenalter, hatte ich es mit einer anderen Transitstrecke zu tun, der von Westberlin nach der alten Bundesrepublik. Da gab es nichts zu malen und der Rhein war weit weg. Wer mit dem Zug von Berlin nach Köln fährt kommt nicht am Rhein vorbei.

Im Jahre 1993 habe ich es wieder geschafft dem Fluss eine Weile zu folgen, und zwar mit dem Rad. Vom Niederrhein kommend fuhr ich mit einem Freund den Rhein stromaufwärts, bis Koblenz. Von dort ging es an der Mosel entlang und über Saône und Rhône weiter bis in die Provence.

Mit diesem Freund war ich in jenen Jahren oft in Frankreich mit dem Rad unterwegs – von Ost nach West und von Nord nach Süd. 1989 folgten wir dem Lauf der Rhône, vom Rhônegletscher bis zur Mündung in der Camargue. Der Ursprung des Rheins in Graubünden ist vom Rhônegletscher im Wallis nicht allzu weit entfernt.

Radwanderführer RhoneAls Ergebnis unserer Reise erschien 1990 dieser Radwanderführer (der schon lange vergriffen ist). Es war eine abwechslungsreiche Reise an den Ufern der Rhône und aufregend zu erleben, welchen Veränderungen der Fluss ausgesetzt ist und wie er die Menschen und die Landschaften prägt.

Anfang dieses Jahrtausends bin ich nach Frankfurt zurückgekehrt und der Rhein ist wieder näher gerückt. Jetzt fuhr ich auch flussabwärts bis Bingen. Von dort weiter durch das Tal der Nahe ins Saarland und nach Lothringen. Und wenn ich heute mit dem Zug nach Köln fahre, nehme ich stets den langsameren auf der linksrheinischen Seite und genieße die Landschaft meiner Kindheit.

Ich werde also das Mittelrheintal und sein Hinterland hauptsächlich mit dem Fahrrad oder zu Fuß entdecken – und mit sehr viel Neugier. Gelegentlich sicher auch mit Bahn, Bus oder Schiff. Besser als mit dem Rad oder zu Fuß kann man sich einer Landschaft und seinen Menschen nicht nähern. Und ich kann endlich das mir noch fehlende Teilstück zwischen Bingen und Koblenz mit dem Rad erkunden. Zur Einstimmung greife ich mal wieder zu Brentanos Rheinmärchen.

Auf buntbewegten GassenNicht nur mit Radfahren kenne ich mich aus, auch mit Spaziergängern und Bahnfahrern. Diese BücherMit des Blitzes Schnelle (Auf buntbewegten Gassen, 2011, vergriffen, Mit des Blitzes Schnelle, 2012) habe ich vor wenigen Jahren im Fischer Taschenbuchverlag herausgegeben.

Im September erscheint im Frankfurter Waldemar Kramer Verlag das, von Jürgen Roth und mir herausgegebene Buch Frankfurter Wegsehenswürdigkeiten. 42 Autorinnen und Autoren haben sehr genau hingesehen und einen etwas anderen Stadtführer geschaffen.

Frankfurter WegsehenswürdigkeitenWegsehenswürdigkeitenMit der Welt teilen werde ich meine Beobachtungen, Erkenntnisse und Erlebnisse über meine Social-Media-Kanäle, wie Twitter, Facebook und Google+. Auf meinem Tumblr-Blog schlechte fotos veröffentliche ich ausschließlich Handyfotos, bei Pinterest  sammle und teile ich alles Mögliche. Es gibt auch noch einen bislang ungenutzten Instagram-Account. Den werde ich als Burgenblogger aktivieren. Bei allen meinen Fotos sind Filter und Blitz verboten. Die einzige Bildbearbeitung, die ich nutze, ist der Zuschnitt.

Ebenso wenig wie Filter wird es Selfies geben. Ich bin nicht wichtig, es geht um den Fluss, das Tal, die Umgebung, die Menschen und ihre Kultur. Textbeiträge landen in meinem WordPress-Blog . Eine Verbreitung über diese Kanäle hinaus bietet die gewünschte Kooperation mit dem kulturellen Online-Magazin Glanz und Elend.

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