Das Klabunt ist zu

Am Sonntag war es also soweit, das Klabunt sagte tschö. Nach neun Jahren muß die Kultkneipe für etwas weichen, das die Frankfurter Neue Presse „Quartiersparkhaus mit Einkaufsmarkt und Wohnungen“ nennt. Investor Gaumer hingegen hält sich bedeckt was seine Pläne für das Gelände angeht und die Bauaufsicht spricht von 29 Wohneinheiten, einer großen Einzelhandelsfläche und einem Parkhaus. Wenn es irgendwas gibt, an dem in Bornheim kein Mangel herrscht, dann sind es Supermärkte, egal ob konventionell, bio oder vegan. In unmittelbarer Nähe der künftigen „Quartiersgarage“ finden sich allein derer drei. Was auch immer dort gebaut wird, es darf getrost mit dem Schlimmsten gerechnet werden.
Seit zwei Jahren schon hing dieses Damoklesschwert über dem Lokal. Das Klabunt bewegte sich auf unsicherem Terrain, ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen.
Der Satirelandgasthof (Eigenbeschreibung) war mehr als eine Kneipe, er war eine kulturell-kulinarische Institution – bekannt weit über Frankfurts Grenzen hinaus – vielen auch Heimat und Wohnzimmer. Es gibt Menschen, die behaupten, alles was sie in Frankfurt kennen würden, hätten sie dem Klabunt zu verdanken. Ich zum Beispiel.
Als ich im Januar 2000 aus Berlin nach Frankfurt kam, kannte ich nur wenige Leute, sie wohnten in Offenbach. Dort wohnte ich auch während der ersten drei Monate. Als ich eine Wohnung in Bornheim fand, erkundete ich die Gegend auf der Suche nach einem Lokal, das ich zu meiner Stammkneipe machen könnte. Ich probierte einige aus, auch im Nordend – und fand keine. In Kreuzberg hatte ich immer eine Stammkneipe. Solche Kneipen müssen fußläufig erreichbar sein, ein vernünftiges Preisleistungsverhältnis haben, die Musik darf nicht nerven und vorallem müssen Personal und Publikum nett sein. Man geht dort hin, in der Gewissheit irgend jemand zu treffen, den man kennt, und man geht dort hin, wenn man mal pleite ist und anschreiben lassen kann. Stammkneipen sind unerläßlich um sich irgendwo wohlzufühlen, ein Stück Heimat eben. Das fehlte mir während meiner ersten Jahre in Frankfurt.
Bis im Jahre 2005 das Klabunt eröffnete. Zirka zwei Wochen nach der Eröffnung war ich mit einem Freund erstmals da. Es war ein schöner Sommertag, wir setzten uns draußen an einen Biertisch. Das Essen war reichlich und lecker, das Bier schmeckte auch. Wir waren sehr satt und verlangten zur Verdauung Wodka. Wodka sei nicht im Angebot, sagte der Wirt, er würde uns was anderes bringen, wir sollten gespannt sein. Er brachte, wie konnte es anders sein, Haselnussgeist von Dirker und noch was anderes, Himbeerbrand wahrscheinlich. Beides war köstlich. Der Haselnussgeist hat sich dann auch zum absoluten Bestseller des Klabunt entwickelt. Manche gingen dort nur hin um diesen Schnaps zu trinken. An diesem Abend war meine Suche nach einer Stammkneipe beendet.
Es dauerte nicht lange und man begrüßte sich mit Namen. Auch kam man schnell mit anderen Gästen in Kontakt, aus einigen sind Freunde geworden.
Und dann gab es noch die regelmäßigen Satirelesungen aus dem Umfeld der Titanic und darüber hinaus. Einige der Autoren, die im Klabunt gelesen haben, kamen am Sonntag um sich von Christa Brill, Andreas Kramer und ihrem Klabunt zu verabschieden – Eckard Henscheid, Oliver Maria Schmitt, Leo Fischer, Pit Knorr, Tilman Birr, Elis, Mark-Stefan Tietze, um nur ein paar zu nennen.
Zu der einen oder anderen Veranstaltungen konnte ich organisatorisch beitragen, so bei einer Lesung mit Wolfram Koch, der aus Magnus Mills „Die Herren der Zäune“ las, einem meiner Lieblingsbücher. Später folgten dann Abende mit Detlef Kuhlbrodt, Wolfgang Welt und Andreas Maier.
Am letzten Abend war es natürlich nochmal sehr voll, manche der Gäste waren wohl auch zum ersten Mal da. Sehr schnell war die Küche ausverkauft, dann war der Haselnussgeist und der Apfelwein alle, bald darauf auch das Schlappeseppel. Dann wurde halt getrunken, was noch da war.
Jetzt ist es vorbei. Und doch gibt es keinen Grund zur Trauer. Der neue Ort ist bereits gefunden. Dort wird renoviert und im Mai soll die Eröffnung sein. Und bis es soweit ist, gehen wir halt woanders unseren Schoppen trinken.

Nachtrag: Der Name der Gaststätte sorgte stets für Verwirrung, nicht zuletzt wegen der eigenwilligen Typographie. Er war einerseits ein Wortspiel aus KLAA und BUNT – was das Lokal trefflich charakterisierte – sowie eine Hommage an den Satiriker und Zeitgenossen Tucholskys, Klabund. An das „d“ in des Autors Synonym erinnerte ein kleiner Kringel im „t“ des Kneipennamens, wie am Außentransparent zu sehen war. Das führte zu allerlei Verwirrung bezüglich Aussprache und korrekter Schreibweise. Da wurde schon mal vom „Klabunat“ gesprochen oder „Klabundt“ und „Klabund“ geschrieben. Richtig ist und war: KLABUNT.

 

 

 

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