Aus meinem Plattenregal 1- Steve Piccolo – Domestic Exile

The Lounge Lizards

Lounge Lizards1981 erschein das Debüt der New Yorker „Fake-Jazz“-Combo The Lounge Lizards. Die Platte war eine Sensation und blies viel frischen Wind in die verstaubte Jazz-Szene. Kopf der Band war der Saxophonist John Lurie, ein an Coolness kaum zu überbietender, charismatischer Musiker, der später auch als Schauspieler schöne Erfolge feierte. Am Piano saß sein Bruder Evan, die Gitarre bediente Arto Lindsay. Er tat das auf bislang noch nie gehörte Art und Weise und entlockte seinem Instrument krachige und schreiende Geräusche, die mit herkömmlichem Gitarrenspiel nichts mehr gemein hatten. Am ehesten konnte man diesen Stil mit dem Scratchen von DJs vergleichen. Am Schlagzeug saß Anton Fier und am Bass war Steve Piccolo. In dieser Besetzung spielten die Lounge Lizards nur dieses Debüt-Album ein. In den folgenden Jahren nahm Lurie mit den Lounge Lizards mehrere Platten in unterschiedlichen Besetzungen auf.

Domestic Exile

PiccoloEin Jahr nach diesem aufregenden Debüt, 1982, veröffentliche Bassist Piccolo sein eigenes Debüt-Album, „Domestic Exile“. Es war nicht weniger aufregend als das der Lounge Lizards, erfuhr aber längst nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient hätte. Keyboards spielte der Bandkollege Evan Lurie und an den Sythesizers saß G. Lindhal. Piccolo selbst spielte neben dem elektrischen und akustischen Bass noch Percussion und Gitarre, außerdem übernahm er den Vokalpart. Musik und Texte stammen ebenfalls von Steve Piccolo. Das Cover-Artwork erinnert stark an das der Lounge Lizards.

Neurotische Großstadtfolklore

„Domestic Exile“ ist ein vorwiegend ruhiges, zurückhaltendes Album voller wunderbarer, schräger Songs, ganz anders als die expressive Platte der Lounge Lizards. Piccolo erzählt in seinen Liedern von modernen und meist einsamen Großstadtmenschen und ihrem Alltag in New York. Es entsteht eine Art neurotischer Großstadtfolklore.

So heißt es in „Young and Ambitious“:

Now work is over I´m going to go out

now I am buying something to eat

something to wear something to read

now I am spending the money I earned

when I was working a short time ago

that is how things work

this I have learned

Und in „Business Man`s Lament“ geht es weiter:

I don`t give anything away if I don`t get something in return

I don`t like to keep anything that I haven`t earned

trading value for value that`s all I understand

and I never do anything unless I have a plan

so I guess You could call me a businessman

Aber es gibt Hoffnung, so etwa in dem fröhlichen „I Don`t Want To Join A Cult“:

But then I saw You

You looked as if You hadn`t heard the news of our defeat

You walk down the street of the welfare state

with Your head held up and Your back so straight

You`re not even overweight

and suddenly I feel like

I don`t want to join a cult

I`d rather be Your devotee

I don`t want to join a cult

except the cult of only You and Me

Piccolo selbst hat sich bald nach dem Lounge Lizards Debüt dem neurotischen Großstadtleben entzogen und ist nach Italien gegangen. Auf dem italienischen Label Materiali Sonori ist dieses kleine Meisterwerk dann auch erschienen.

Unter dem Titel „adaption“ folgte ein weiteres Album von Steve Piccolo`s Domestic Exile, das aber längst nicht so aufregend ist, wie das erste Album. Piccolo arbeite in der Folgezeit mit den unterschiedlichsten Musikern zusammen, unter anderem mit Elliot Sharp.

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