My Brightest Diamond im Kölner Club „Gebäude 9“ am 26.11.2011

Der Club „Gebäude 9“ in Köln war mit ca. 150 Leuten beschämend schlecht besucht. Gerade mal € 15,- waren fällig um eine der großartigsten Musikerinnen des zeitgenössischen Musikgeschehens live erleben zu können. P.J. Harvey kostete das Vierfache dieser Summe. Und P.J. ist niemand, hinter der sich Shara Worden verstecken müßte.

Ebenso beschämend ist, das sich gerade mal zwei (!) Clubs in Deutschland bereit fanden, Shara Worden aka My Brightest Diamond zu buchen. So war ich gezwungen nach Köln zu fahren um sie hören zu können. Nun gut, vor drei Jahren bin ich ins schwäbische Schorndorf gefahren.

Im Oktober diesen Jahres ist das dritte Album von My Brightest Diamond erschienen, „All Things Will Unwind“. Gute drei Jahre sind vergangen seit ihrem Meisterwerk „A Thousand Shark`s Teeth“ . Drei Jahre, in denen sie allerdings nicht untätig war. Es sind diverse Alben anderer Musikerinnen und Musiker erschienen, bei denen Shara Worden beteiligt war – u.a. von Clogs, einem Projekt des The National Gitarristen Bryce Dessner, von Sarah Kirkland Snider, den Decemberists und David Byrne. Außerdem ist sie Mutter eines Sohnes geworden (den sie auf „All Things Will Unwind“ in dem wunderschönen Song „I have Never Loved Someone the Way I Love You“ besingt) und von Brooklyn in die sterbende Stadt Detroit gezogen. Beim Friseur war sie auch.

Shara Worden war also alles andere als untätig. Im Oktober kam dann endlich ihr neues Album, für das sie sich auferlegt hatte, ausschließlich Instrumente zu spielen, die in einen Koffer passten. Die Gitarre fiel also aus. Statt dessen hat sie das Kammerensemble yMusic engagiert. Herausgekommen ist ein wunderbares, stilles, kammermusikalisches Album, das voller Kostbarkeiten steckt. Lautere, rockigere Songs, wie noch auf dem „Shark“ Album oder dem MBD Debut „Bring Me the Workhorse“ fehlen hier völlig. Vielmehr gibt es, ähnlich wie bei den Alben von Clogs und Sarah Kirkland Snider, deutliche Anleihen bei der klassischen Musik. Der gelernten Opernsängerin Shara Worden ist dieses Terrain ja nicht fremd.

Umso überraschter war ich, dass sie die Bühne des „Gebäude 9“ nur in Begleitung eines Schlagzeugers betrat. Shara sang, spielte Gitarre, Ukulele, Keyboards sowie diverse andere Instrumente und es wurde teilweise sehr laut und rockig. Das war keine reine Vorstellung des neuen Albums, sondern ein Querschnitt durch das bisherige, so großartige, Schaffen von My Brightest Diamond. Auffallend war die Farbgebung, die auch beim neuen Album vorherrscht. Sind bei den beiden Vorgängeralben eher zurückhaltende, dunkle Farben prägend, so wird das Albumdesign bei „All Things Will Unwind“ durch die Farbe Rot bestimmt. Das Cover des Albums, man muss es nicht schön finden, das Bühnenoutfit, all das strahlte so viel Optimismus aus, dass man sich dem nicht entziehen konnte, was man freilich auch nicht wollte. Selbst der Drummer, Brian Wolf, trug auf seiner ansonsten schwarzen Kleidung, rote, gelbe und orange Filzapplikationen.

Perfekt vorbereitet wurde ihr Auftritt durch die Berliner Singer-Songwriterin Miss Kenichi, die auch beim Eröffnungssong „We Added It Up“ MBD begleiten konnte, was ihr bravorös gelang. Shara Worden hatte dann keine große Mühe, das Publikum, ja – zu verzaubern. Ihr Charme, ihr Witz, die wunderbaren Songs und ihre einmalige Stimme taten ein Übriges. Allein schon für ihre Version des Nina Simone Songs „Feelin` Good“ hat der Besuch gelohnt. Zwei Stunden und zweimal drei Zugaben später war dieses unvergessliche Konzert beendet und 150 Menschen verließen glücklich den Club, viele mit Platten, CDs oder T-Shirts vom Merchandising-Stand unterm Arm. Alle anderen haben was verpasst.

Was bleibt ist die Frage, weshalb P.J. Harvey, Joan As Policewoman und der kommende Star, Anna Calvi, Clubs und Hallen füllen, die nicht minder großartige Shara Worden aber nicht. Aber so kann ich sie in drei Jahren wieder in einem kleinen Club für wenig Geld sehen und hören, irgendwo in Deutschland.

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