Anna Calvi

Eine Diskussion, ähnlich der über eine Frauenquote in deutschen Führungsetagen ist in der aktuellen Popmusik überflüssig. Längst sind es überwiegend Frauen, die für die spannende zeitgenössische Musik sorgen. Lange vorbei sind die Zeiten, in denen eine Julie Driscoll, Grace Slick oder Aretha Franklin Exotinnen in einer männerbeherrschten Musikwelt waren.
Tori Amos und P.J Harvey sind heute nicht mehr alleine. Ständig machen junge Frauen auf aufregende Weise musikalisch auf sich aufmerksam. Während Amy Winehouse sich nicht zwischen Rehab und Comeback entscheiden kann, kommt eine junge Frau aus London namens Adele daher und läuft dem Superstar den Rang als beste weiße Soulsängerin ab. Die kalifornische Komponistin und Sängerin Simone White fügt mit jeder ihrer ruhigen Platten der Musikwelt eine weitere Perle hinzu und wird dafür zu recht auch von der deutschen Kritik hochgelobt. Mit ihrer Mischung aus Neofolk und Robert Wyatt ersingen sich auch die britischen Unthank Schwestern eine stets wachsende Fangemeinde. Und was wäre eine Band wie The Duke Spirit ohne ihre Sängerin Liela Moss. Auch klassische Girlgroups wie die Puppini Sisters, die Pipettes oder das norwegische Frauenquartett Katzenjammer füllen heute die Clubs und Konzerthallen. Die Schweizerin Sophie Hunger ist mit ihrer Mischung aus Pop, Jazz, Chanson und schweizer Folklore sicher eine der auffälligsten Erscheinungen des zeitgenössischen Musikgeschehens. Einige dieser aufregenden Musikerinnen haben eine klassische Ausbildung absolviert. So ist die, mittlerweile in Detroit lebende, Shara Worden (My Brightest Diamond) ausgebildete Opernsängerin und die New Yorkerin Joan Wasser (Joan as Policewoman) hat sich bereits einen Namen als klassische Geigerin gemacht, bevor sie ins Popfach wechselte.
Zu dieser illustren und keineswegs vollständigen Liste muß jetzt der Name Anna Calvi hinzugefügt werden. Die Engländerin mit dem italienischen Vater musizierte einige Jahre im Verborgenen, bis sie von Brian Eno und Nick Cave entdeckt und gefördert wurde. Ob auch Anna Clavi eine klassische Musikausbildung absolviert hat, ist mir nicht bekannt. Wie dem auch sei, sie ist eine hervorragende Gitarristin und auf ihrem, vor wenigen Wochen erschienenen Debutalbum „Anna Calvi“ spielt sie auf manchen Stücken auch die Geige, den Bass oder die Orgel.
Das Cover dieses Albums verheißt Glamour und Sinnlichkeit. Die MySpace-Seite der Künstlerin verheißt „Tango“. Die Musik Anna Calvis hat tatsächlich etwas mit dem Tango gemein – den Pathos und die Melacholie. Ihre Songs sind spröde, sperren sich gegen einen allzu leichten Konsum. Darin erinnern sie durchaus an die große P.J. Harvey, die seit Jahren erfolgreich gegen den Mainstream schwimmt. Nach ihren Vorbildern gefragt, tauchen die immer selben Namen auf, Edith Piaf und Nina Simone zum Beispiel. Vorallem aber ist Anna Clavi eine weiterer Stern am Pophimmel, der hoffentlich noch lange leuchten wird.
Zur Zeit tourt Anna Calvi durch etliche europäische Clubs. Einige der Shows sind bereits ausverkauft.

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