Wie ich zweimal versuchte Mitglied der Partei, Die PARTEI, zu werden – vergeblich.

Sehr geehrter Herr S.,

ich wollte ja nie in eine Partei eintreten. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig und nachvollziehbar. Das ich es dennoch tat, besser versuchte, – und das gleich zweimal – hat ebenfalls mannigfaltige und nachvollziehbare Gründe. Zum Einen sind in meinem bevorzugten Stammlokal, dem Satirelandgasthof Klabunt zu Frankfurt am Main, Bornheim, mehr oder weniger fast alle Stammgäste und das Servicepersonal Mitglieder der Partei, Die PARTEI, nette Menschen allesamt. Und der Wirt dieses Lokals, der Herr K., ist ja wohl sogar Schatzmeister des Landesverbandes Hessen, dem Sie, verehrter Herr S., vorstehen. Zum Anderen wollte ich mich dann doch auch einmal als mündiger Bürger dieses Landes beweisen und an der politischen Willensbildung des Volkes mitwirken. Nicht zuletzt wollte ich nicht außen vorbleiben, sollte der Herr K. in seinem Lokal möglicherweise eines Tages 10% Rabatt auf Alles für Mitglieder der Partei, Die PARTEI, ausloben. Da wären die € 10,- Mitgliedsbeitrag per Anno gut angelegt, das können Sie mir glauben. Aber da der Herr K. ja ein ziemlicher Knauser ist, kann von solcherlei Vergünstigungen eher nicht ausgegangen werden. Auch konnte ich mich sehr gut in der schneidigen, grau-blau-roten Uniform vorstellen. Kurz, ich habe mich als elender Opportunist erwiesen – aber sind wir das nicht alle irgendwie.

Kurzum, die genannten Gründe, und wahrscheinlich 2 – 3 Hefeweizen, haben mich dazu bewogen, einen Mitgliedsantrag für die Partei, Die PARTEI, auszufüllen und dem Herrn K., mit der Bitte um Weiterleitung, persönlich in die Hand zu drücken. In den folgenden Tagen und Wochen öffnete ich stets voll freudiger Erwartung den Briefkasten, endlich den begehrten Mitgliedsausweis in den Händen zu halten. Denn, wir wissen es, je kleiner die Mitgliedsnummer, desto kürzer der Weg an die Fleischtöpfe der Macht.

Nichts geschah.

Ich durfte dann aber doch, eines Sonntagnachmittags, an dem sog. Landesparteitag der Partei, Die PARTEI, Landesverband Hessen, in genannter Gaststätte, teilnehmen. Ich hatte keinen Mitgliedsausweis, wurde aber kurzerhand, per Deklaration, zum Parteimitglied erklärt und war somit stimmberechtigt. Wenn das der Bundeswahlleiter wüßte.

Nun gut, dachte ich, kann ja mal passieren, dass so ein kleines Formular verloren geht, war sicher keine Absicht, und füllte einige Wochen später erneut ein Antragsformular auf Mitgliedschaft in der Partei, Die PARTEI, aus.

Ich weiß es noch wie heute, es war der 1. Nov. 2010. Die Mitglieder der Partei, Die PARTEI, hielten ihren monatlich Stammtisch im Klabunt ab, wie an jeden ersten Montag im Monat. Ich hatte dort für diesen Abend eine Lesung mit dem Autor Andreas Maier organisiert. Wahrscheinlich war ich etwas aufgeregt und versuchte mich abzulenken. Kurz, ich sprach Herrn J.S. an, den „politischen Geschäftsführer“ (was auch immer das ist) der Partei, Die PARTEI, Landesverband Hessen, an und erläuterte, nicht zum ersten Mal, mein Problem. Herr J.S. war vorbereitet und bat mich, doch einfach erneut einen Antrag auszufüllen, das würde dann sicher klappen. Die Zentrale in Berlin sei etwas überarbeitet gewesen in letzter Zeit. Ich könne auch gleich bei ihm die € 10,- Jahresbeitrag bezahlen. Ich tat wie gewünscht, fühlte mich abermals als politisch mündigen Bürger und erfreute mich an dem schönen Abend mit Andreas Maier.

Es war Die PARTEI selbst, die mich dazu brachte, diesen Brief zu schreiben. Gerade heute hat die Partei, Die PARTEI, Landesverband Hessen, via Twitter und Facebook einen Rundbrief erwähnt, der per Mail an die Mitglieder rausgegangen sei. Man möge sich melden, sollte die Mail nicht eingegangen sein. Das tue ich hiermit.

Offensichtlich habe ich den strengen Aufnahmekriterien der Partei, Die PARTEI, nicht entsprochen, denn bis heute habe ich keinen Mitgliedsausweis der Partei, Die PARTEI, erhalten. Von einer eventuellen Bescheinigung über eine geleistete Beitragszahlung, die steuerlich absetzbar wäre, mal ganz zu schweigen. Das ist nicht so tragisch, wurde ich doch schon von Damen abgewiesen, deren Zurückweisungen mich bedeutend schwerer getroffen haben, glauben Sie mir.

Gut, ok, die € 10,-, geschenkt. Sind wahrscheinlich in der schwarzen Kasse gelandet, die haben ja alle. Immerhin ist die Partei, Die PARTEI, die einzige Partei, die das auch zugibt. Schwerwiegender für mich wiegt der Umstand, nicht zu wissen, wie und wo ich denn meinen Austritt aus der Partei, Die PARTEI, Landesverband Hessen, erklären soll, bin ich doch, trotz zweimaligen Versuchs und geleisteter Beitragszahlung, noch immer kein Mitglied der Partei, Die PARTEI – oder doch?

Wenn ich Sie also, verehrter Herr S., bitten dürfte, mir auf irgendeine Art zu bestätigen, das ich kein Mitglied der Partei, Die PARTEI, Landesverband Hessen, bin, und auch nie war, dann wäre ich Ihnen sehr verbunden. Zumal es ja auch recht widersinnig wäre, einer Partei anzugehören, die man nicht wählen würde. Das gibt`s ja nur in der FDP.

Die € 10,- verbuchen Sie bitte als Spende.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan G.

Advertisements

4 Gedanken zu “Wie ich zweimal versuchte Mitglied der Partei, Die PARTEI, zu werden – vergeblich.

  1. Irgendwie ging es mir ähnlich. Als in Hamburg die Vor-Premiere des Die Partei-Filmes statt fand (im August 2009 oder so im Millerntor-Stadion) nahm ich einen Antrag mit nach Hause, füllte ihn aus und schickte ihn nach Berlin. Keine Reaktion. Ungefähr sechs Monate später schrieb ich eine Mail nach Berlin. Antwort: „Mitgliedsausweis geht morgen in die Post“ (so ungefähr), gezeichnet Martin S. – Schade, dass dieser bis dato nicht eingetroffen ist…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s